Ortsname

Saulengrain


Dorf (D)
Bezirk Schwaben, Lkr. Unterallgäu, Gde. Apfeltrach
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Historische Schreibformen

Mundartformen

Namenerklärung

Saulen
2.
·
grain
1.
1.
Grundwort
ahd.
*grīn ›Geschrei, Geheule‹
>
mhd.
grīn ›lautes Geschrei, Gewieher‹1
––– oder –––
mhd.
grīn ›lautes Geschrei, Gewieher‹2
2.
Bestimmungswort
wohl
ahd.
Personenname (Kurzname) Sūlo 3 im Gen. Sg. Sūlen
––– oder –––
mhd.
Personenname (Kurzname) *Sūle im Gen. Sg. *Sūlen
<
ahd.
Personenname (Kurzname) Sūlo 4
Namenbedeutung
möglicherweise
›(Siedlung an einer) Stelle, an der das Geschrei des Sūlo/Sūle zu hören war‹5
Kommentar
Heimrath6 und Reitzenstein7 stellen das Bestimmungswort zu mhd. sūl ›Säule, Pfosten, Schandpfahl‹8. Gegen diesen Ansatz spricht zweierlei: Erstens wäre bei einem appellativischen Bestimmungswort eher Reihung zu erwarten, denn »die unechte Nominalkomposition [kann] nicht als altes Bildungsprinzip gelten«9. Zweitens geht der Genetiv Plural des Appellativs sūl ›Säule‹( i-Stamm) im Althochdeutschen und auch noch im Mittelhochdeutschen nicht auf-n aus10. ‒ Ganz unabhängig von der Etymologie des Bestimmungswort ist Reitzensteins Vermutung, beim Grundwort handle es sich möglicherweise um einen von mhd. grīn ›lautes Geschrei, Gewieher‹ abgeleiteten Personen-Beinamen, aus namentypologischen Gründen wenig plausibel. Freilich wäre der oben angesetzte Ereignisname, also eine Benennung der Örtlichkeit nach dem ›Geschrei des Sūlo/Sūle‹, ebenfalls eher ungewöhnlich, sodass auch hinter diesem Ansatz ein Fragezeichen bleiben muss.