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[GBay] Bundespräsident verlieh Preis des Historischen Kollegs 2010 an Christopher Clark
- To: "Meldungen GBay" <geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de>
- Subject: [GBay] Bundespräsident verlieh Preis des Historischen Kollegs 2010 an Christopher Clark
- From: "Markus Naser" <markus.naser_AT_uni-wuerzburg.de>
- Date: Sat, 6 Nov 2010 10:39:15 +0100
- Importance: Normal
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- Sender: owner-geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de
From: "Ellen Latzin" <latzin_AT_badw.de>
Datum: 06.11.2010
Subject: Bundespräsident verlieh Preis des Historischen Kollegs 2010 an
Christopher Clark
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BAYERISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
PRESSE INFO 30/10
5. November 2010 - SPERRFRIST 18.15 UHR
Das Historische Kolleg informiert: Bundespräsident verlieh Preis
des Historischen Kollegs 2010 an Christopher Clark
Bundespräsident Christian Wulff zeichnete Prof. Dr. Christopher Clark
(* 1960 in Sidney), Professor für Modern European History am St. Catherine's
College in Cambridge, am 5. November 2010 im Plenarsaal der Bayerischen
Akademie der Wissenschaften mit dem "Preis des Historischen Kollegs" aus.
Erstmals ging der "deutsche Historikerpreis", der mit 30.000 Euro dotiert
ist,
damit an einen Wissenschaftler aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland.
"Die Verfasser der Preisstatuten scheinen geradezu einen Gelehrten wie
Christopher Clark im Auge gehabt zu haben", so Helmut Neuhaus (Erlangen)
in seiner Laudatio, wenn es dort heiße, auch Historiker aus dem Ausland
könnten
ausgezeichnet werden "wenn sie ein für die Geschichtswissenschaft besonders
bedeutsames Werk veröffentlicht haben, das in deutscher Sprache erschienen
ist."
Der Preisträger, der unter anderem von 1985 bis 1987 an der Freien
Universität
Berlin studiert habe, sei, das zeige ein Blick auf seine
Veröffentlichungen, ein
Experte für die preußische Geschichte. Die Summe seiner Forschungen ziehe
er in dem 2007 veröffentlichten Buch "Preußen. Aufstieg und Niedergang
1600-1947" (Deutsche Verlagsanstalt: München 2007, 896 S., Paperback:
Pantheon: München 2008; Originaltitel: Iron Kingdom. The Rise an Downfall
of Prussia. 1600-1947, Allen Lane / Penguin Books 2006), für das ihm jetzt
vornehmlich der Preis verliehen wurde.
Auf die rhetorische Frage "Noch ein Buch über Preußen?" antwortet der
Laudator
mit einem eindeutigen "Ja, und ein notwendiges dazu!". Clark setze in seinem
Werk,
an moderne Fragestellungen der letzten Jahrzehnte anknüpfend, ganz eigene
Akzente:
"Seine Prämisse - ,Die Wahrheit ist, dass Preußen ein europäischer Staat
war, lange
bevor es ein deutscher wurde' eröffne eine so noch nicht eingenommene
Perspektive
mit überraschenden Aus- und Einblicken, die nicht ohne Konsequenzen für die
Sicht
auf Preußen und sein Verhältnis zu Deutschland und Europa blieben. Seine die
Forschung
belebende Hauptthese, dass Deutschland ,nicht die Erfüllung Preußens [war],
sondern
sein Verderben', entwickelt und begründet er in 17 Kapiteln auf 800 Seiten".
Dabei, so
Neuhaus weiter, zeige er sich bewundernswert vertraut mit den großen Linien
und
ebenso mit unendlich vielen Details der preußischen Geschichte über
dreieinhalb
Jahrhunderte hinweg. Er entwickle in seinem Werk eine Vielzahl
biographischer
Miniaturen, zu Friedrich dem Großen, zu Bismarck oder Kaiser Wilhelm II.
Anekdoten
wie die vom Berliner Stadtstreicher Friedrich Wilhelm Voigt, besser bekannt
als
"Hauptmann von Köpenick", dienten ihm dazu, große Sachthemen - hier den
Militarismus der Wilhelminischen Zeit - zu entfalten. Das Urteil des
Laudators mündet
in den Satz: "Seine Art von Geschichtserzählung, immer wieder auch in den
Künsten,
in Architektur und Literatur gespiegelt, fasziniert den Leser und darf nicht
zuletzt
deutschen Historikern als Vorbild gelten."
Lothar Gall, der Kuratoriumsvorsitzende des Historischen Kollegs, brachte
seine Freude
zum Ausdruck, dass der ursprünglich von der Deutschen Bank gestiftete und
1983
erstmals vergebene Preis heuer bereits zum zehnten Mal verliehen werden
konnte.
Mit dem Preis wurden Alfred Heuß, Arno Borst und Johannes Fried, Reinhart
Koselleck,
Thomas Nipperdey und Wolfgang Reinhard, Jan Assmann, 2004 Michael Mitterauer
und zuletzt 2007 Gerhard A. Ritter ausgezeichnet.
Die Dotierung stellte in diesem Jahr die Alfred und Cläre Pott-Stiftung zur
Verfügung.
Klaus Liesen, der Vorsitzende der auf den Gründer der Ruhrgas AG in Essen
zurückgehenden
Stiftung, blickte in seinem Grußwort auf die Motive zurück, die 1980 den
Ausschlag für
die Gründung des Historischen Kollegs gegeben hatten, an der er als
damaliger Präsident
des Stifterverbandes beteiligt gewesen war: Damit sollte ein Zeichen gegen
den beobachteten
Verlust des Geschichtsbewusstseins gesetzt werden "in der Überzeugung, dass
,die
Gegenwärtigkeit des Vergangenen ein Fundament menschlichen Daseins ist' -
wie es
der erste Träger des Historikerpreises, Alfred Heuß, 20 Jahre zuvor in
seiner Schrift
,Verlust der Geschichte' ausgedrückt hatte".
Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst,
Wolfgang Heubisch,
betonte, dass die Bayerische Staatsregierung stolz darauf sei, dass das
Historische Kolleg,
diese einzigartige Einrichtung der historischen Forschung, seinen Sitz seit
dreißig Jahren
in der bayerischen Landeshauptstadt München habe. Für die Bayerische
Staatsregierung
erklärte der Minister, der Freistaat Bayern stehe auch im kommenden
Doppelhaushalt
(2011/2012) zu seinem Engagement beim Historischen Kolleg. Angesichts der
Schwierigkeiten,
neue private Geldgeber für das Kolleg zu gewinnen, formulierte er "als Bayer
und Münchner"
den Appell, die private Finanzierung des Kollegs nicht nur den "Preuß'n" zu
überlassen und
forderte bayerische Unternehmen und Stiftungen auf, sich zu engagieren.
Seinen Festvortrag widmete Christopher Clark dem Thema "Preußenbilder im
Wandel".
Die Texte aller Vortragsmanuskripte des Abends stehen Ihnen unter
www.badw.de/aktuell/pressemitteilungen/archiv/2010/PM_30_2010/index.html zur
Verfügung.
Ein Foto des Autors (©) finden Sie unter:
www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=169989
Dr. Ellen Latzin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bayerische Akademie der Wissenschaften
Alfons-Goppel-Str. 11 (in der Residenz)
80539 München
Tel.: +49-89-23031-1141
Fax: +49-89-23031-1281
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