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[GBay] Pressemitteilung: Universität Bamberg lehnt Stauffenberg-Mahnmal ab
- To: Mailingliste GBay <geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de>
- Subject: [GBay] Pressemitteilung: Universität Bamberg lehnt Stauffenberg-Mahnmal ab
- From: Thomas Paringer <T.Paringer_AT_kbl.badw-muenchen.de>
- Date: Mon, 02 Aug 2010 20:00:29 +0200
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Betreff: Universitaet Bamberg lehnt Stauffenberg-Mahnmal ab, will lieber
Feste feiern - keine Identifikation mit dem Widerstand
Datum: Sun, 1 Aug 2010 22:12:59 +0200
Von: "Markus Raupach" <mr.guide_AT_live.de>
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Liebe Kollegen,
anbei eine Pressemitteilung der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg. Das seit
langem geplante Widerstands-Denkmal auf dem Universitaetsgelaende droht
nun am
ploetzlichen Nein der Hochschulleitung zu scheitern. Die Nachricht und die
Begruendung des Praesidenten stossen ueberregional auf Entsetzen und
Unverstaendnis. Besondere Brisanz erhaelt das Thema durch die Tatsache, dass
der Praesident der Universitaet urspruenglich den Standort angeregt
hatte und
dass die Familie Stauffenberg seit 1927 in Bamberg wohnte. Um die
Stauffenberg-Villa ist ebenfalls gerade eine lokale Diskussion im Gange. Das
Thema ist schon seit geraumer Zeit kein regionales mehr, spaetestens
seit dem
grossen Medienecho der Attentatsverfilmung im letzten Jahr mit Tom Cruise in
der Hauptrolle. Anscheinend scheitern jegliche Versoehnungsversuche zwischen
den Stauffenbergs und der Stadt regelmaessig in letzter Sekunde.
Untenstehend
der Text, aber auch im Anhang, sowie auch das Konzept des Denkmals und
weitere Informationen.
Ueber eine Veroeffentlichung wuerde sich nicht nur die
Willy-Aron-Gesellschaft,
sondern auch eine grosse Anzahl der Unterstuetzer des Projektes von der
juedischen Kultusgemeinde bis zu Vertretern der Bamberger Wirtschaft und
Politik sehr freuen.
Mit freundlichen Gruessen,
Markus Raupach
Artikeltext:
Pressemitteilung der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e.V.
Bratwurstgrill statt Stauffenberg
Universitaet Bamberg will sich nicht mit dem geplanten Denkmal
identifizieren
Bamberg, 2. August 2010: Nachdem alle Huerden fuer die Errichtung des
Widerstandsdenkmals in Bamberg genommen schienen, spricht sich nun gerade
die Universitaet Bamberg ploetzlich dagegen aus. Einer der Gruende fuer den
Sinneswandel ist laut Praesident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert der
Widerspruch der Rolle des anvisierten Standorts als Mahnmal einerseits und
als Foyer fuer Fakultaets- und Universitaetsfeste andererseits.
Eigentlich war alles geklaert, Gestaltung und Form, Finanzen und eben auch
der Platz, an dem das Bamberger Mahnmal fuer den Widerstand gegen das
Nazi-Regime stehen sollte. Und eigentlich war es sogar der
Universitaetspraesident Godehard Ruppert gewesen, dem die Idee der
Aufstellung
vor dem ehemaligen Bamberger Alten Gymnasium, das heute einen Teil der
Universitaetsgebaeude bildet, so gut gefallen hat, dass die
Organisatoren die
schriftliche Zusage nur noch als Formsache sahen.
Doch seit dem 29. Juli ist alles anders. Da erreichte ein Schreiben Rupperts
den Vorsitzenden der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg, Dr. Nikolai
Czugunow-Schmitt, in dem der Praesident den ploetzlichen Rueckzug seiner
Institution aus den Mahnmal-Planungen erklaerte. Man habe
"universitaetsintern
intensiv diskutiert" und am Ende einen "konsensualen Standpunkt" gefunden.
Der bestand dann offensichtlich darin, dass man uebereingekommen war, das
Mahnmal lieber nicht auf dem universitaeren Gelaende haben zu wollen. Als
Hauptgrund wurde angefuehrt, dass der Platz zwischen U5 und U7, an dem das
Mahnmal stehen sollte, "im Rahmen der auf dem Burgershof stattfindenden
Feiern unverzichtbar" sei.
Die weitere Argumentation im Schreiben der Universitaet bezieht sich auf
zeitliche und inhaltliche Fragen, die allerdings allenfalls eine Diskussion
um das Wie und Wann, aber keine generelle Ablehnung rechtfertigen
koennen. So
stuende 2013 eine unterirdische Erweiterung der Mensa an, bei der man
auch im
Bereich des Mahnmalplatzes Tiefbauarbeiten durchfuehren muesse, die
Unterhaltsfrage und Veraenderungen an den bestehenden Sitzmoeglichkeiten
seien
ungeklaert, und man wolle ein "massives Mitspracherecht in Fragen der
Gestaltung und Benennung sowie der inhaltlichen Deutung des Mahnmals".
Hierzu heisst es unter anderem, dass man bei den drei stellvertretend
fuer den
Widerstand aufzustellenden Personen "keinerlei Beziehung" feststellen,
"nicht von DEM Bamberger Widerstand sprechen" und an der Form der
Darstellung durch den Kuenstler teils keine Wiedererkennung und keine
"zeitgemaesse Formsprache" erkennen koenne.
Gaenzlich enttaeuscht sind nun Czugunow und seine Mitstreiter, denn
eigentlich
hatten sie sich ueber viel Zuspruch seitens der Bamberger Buerger
gefreut. Mit
der Errichtung des Denkmals sollte die Rolle des Bamberger Widerstands
gegen den Nationalsozialismus endgueltig sichtbar gemacht werden. Der
Gegenwind von Ruppert, der vor einem knappen Jahr den Platz an der
Universitaet geradezu euphorisch angeboten hatte, kam voellig unerwartet.
Czugunow hierzu: "Eventuelle Probleme mit dem Platz haetten nach Aussage von
der Uni-Kanzlerin, Frau Dr. Steuer-Flieser, in meinem letzten Gespraechen
mit ihr im Juni 2010 hoechstens in einem Nein aus dem Kultusministerium in
Muenchen liegen koennen. Mir war ueberhaupt nicht klar, dass vor Ort in der
Universitaet noch kontrovers diskutiert werden muesse. Schliesslich gab es
einen langen Meinungsbildungsprozess, der oeffentlich, fuer alle zugaenglich
war, und zu dem die Vertreter der Universitaet auch jedes Mal eingeladen
waren. Gerade was die inhaltlichen Fragen und die Einwaende gegen den
Zeitplan anging, waere es ein leichtes gewesen, sich konstruktiv zu
beteiligen. Ich bin zutiefst betroffen ueber diesen Umgang mit einem
Denkmal, das fuer Bambergs Erinnerungskultur so wichtig gewesen waere."
Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, Sohn von Claus Schenk Graf von
Stauffenberg, der symbolisch fuer den militaerischen Widerstand einer
der drei
Koepfe des Mahnmals sein soll, ist nicht enttaeuscht: "Unter dem Strich
bestaetigt sich nur die Erfahrung, die die Stadtoberen und ihr Umfeld seit
Jahrzehnten verwalten und uns aufdraengen: Flucht vor Entscheidungen in
hinhaltenden Amtsverfahren und ablenkende Bekundungen. Ein ehrliches
Interesse der Universitaet an einem solchen Denkmal und damit ihrem
sichtbaren Bezug zum Widerstand gibt es offenbar nicht. Die aufgereihten
Gruende erscheinen eher als Ansammlung von Unmutsgefuehlen, die eine
Mehrheit
in den universitaeren Gremien hat. Schluessig sind sie kaum. Meine
Familie hat
keinen Antrag gestellt, aber wir sind den Initiatoren sehr dankbar, dass sie
uns fruehzeitig in die Fragen der kuenstlerischen Gestaltung sowie der
Verortung des Denkmals einbezogen haben."
Auch innerhalb der Bamberger Universitaet scheint nicht klar, wie der
Praesident ein Schreiben ohne formalen Beschluss nach der vermeintlichen
Diskussion in den Gremien an die Denkmal-Organisatoren senden konnte.
Schliesslich seien die bayerischen Universitaeten an sich prinzipiell
demokratisch organisiert und es gebe Strukturen und Ablaeufe, an die man
sich
bei Entscheidungen solcher Tragweite halten muesse. Fuer Professor Reinhard
Zintl sind einige der genannten Gruende zwar nachvollziehbar, "worueber ich
aber erst einmal nachdenken muss, ist die Bemerkung, dass es zwischen
Stauffenberg, Woelfel und Willy Aron keine Verbindung oder Beziehung gegeben
habe und man deshalb nicht von einem Bamberger Widerstand sprechen koenne.
Das habe ich nicht verstanden und es leuchtet mir auch nicht ein. Ich werde
an dieser Stelle die Diskussion suchen." Man kann nur hoffen, dass auch
inneruniversitaer noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Bleibt die Frage, wie es nun weitergehen soll mit der nahezu unendlichen
Geschichte des Gedenkens Bambergs an den Widerstand im Dritten Reich und
damit einhergehend auch einem Stueck Versoehnung Bambergs mit der Familie
Stauffenberg, die durch die aufwendige Verfilmung des Attentatsversuches
mit Tom Cruise in der Hauptrolle wieder stark ins Licht der Oeffentlichkeit
gerueckt war. "Wir hoffen, dass es an der Universitaet doch noch ein
Umdenken
gibt", so Czugunow, "schliesslich ist es doch gerade die Ausbildungsstaette
junger Menschen, an der ein solches Mahnmal Sinn macht. Jede kuenftige
kommende geistige Elite unseres Landes muss auch in dieser Hinsicht geschult
und gebildet sein. Das "Nie wieder" ist so wichtig wie selten zuvor, gerade
weil in diesen Jahren die letzten Vertreter der Generation, die Krieg,
Verfolgung und Vertreibung miterlebt haben, von uns gehen muessen." Jeder
andere Aufstellungsort sei eine Art "Plan B", den man natuerlich verfolgen
muesse, wenn man in der Hochschule weiterhin aufgrund von zumindest
fragwuerdigen Argumenten diesem so wichtigen Projekt entgegenstuende. Bleibt
zu hoffen, dass die Universitaetsleitung zum anfaenglich gezeigten
Weitblick zurueckfinden und ueber tagesaktuelle und vermeintliche
zeitgeistige
Stroemungen hinaus die gesellschaftliche Bedeutung eines Denkmals fuer den
Bamberger Widerstand erkennen moege.
Text: Markus Raupach
Verantwortlicher Ansprechpartner:
Dr. Nikolai Czugunow-Schmitt
Erster Vorsitzender
Neue Siedlung 8
96135 Stegaurach
E-Mail: vorstand_AT_willy-aron-gesellschaft.de
Tel. 0951-5191734
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Markus Raupach
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