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Geschichte Bayerns
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[GBay] Neuerscheinung: Anne von Kamp, Freiherren von Erffa
- To: "Geschichte Bayerns" <geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de>
- Subject: [GBay] Neuerscheinung: Anne von Kamp, Freiherren von Erffa
- From: "Stefan Petersen" <stefan.petersen_AT_uni-wuerzburg.de>
- Date: Mon, 7 Jun 2010 23:07:51 +0200
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From: "Sigrid Strauß-Morawitzky" <strauss-morawitzky_AT_t-online.de>
Datum: 07.06.2010
Subject: Anne von Kamp, Freiherren von Erffa
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Sehr geehrte Damen und Herren,
in Reihe IX. Darstellungen aus der fränkischen Geschichte
der Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte
ist Band 55 erschienen:
Anne von Kamp:
Adelsleben im bürgerlichen Zeitalter.
Die Freiherren von Erffa im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
2010. 328 Seiten, 7 Abbildungen, 3 Stammtafeln und 2 Karten
Reihe IX Band 55, ISBN 978-3-86652-955-7 VK 33,00 EUR,
Subskription bis 31.07.10 29,70 EUR
Die Darstellung: (Auszüge aus der Einleitung)
Noch vor wenigen Jahren wäre die Beschäftigung mit einer Adelsfamilie
ein abseitiges Thema gewesen. Während der Adel als Herrschaftsgruppe
im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein selbstverständlicher Gegen-
stand der Forschung war, bestand bis vor wenigen Jahren nur vereinzelt
Interesse an einer Darstellung des Adels in der Moderne. Die Sozial-
geschichte wandte sich seit den 1960er Jahren den Kerngruppen des
industriellen Zeitalters zu, zunächst der Arbeiterschaft und daraufhin
dem Bürgertum. Erst in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren entdeckte
die historische Forschung den Adel in der Moderne als ertragreiches
Objekt wissenschaftlicher Betrachtung. Ein Grund für diese Neuent-
deckung lag in dem gestiegenen Interesse an Themen aus der Kultur-
und Mentalitätsgeschichte. Die Beschäftigung mit dem Adel als sozialer
Gruppe bot eine schlüssige Erweiterung bisheriger sozial- und wirt-
schaftsgeschichtlicher Forschung um Fragen aus der Kultur- und
Geschlechtergeschichte. Auch die zwischenzeitlich hoch geschätzte
Erweiterung der Perspektiven auf den europäischen oder außereuro-
päischen Raum gab der Adelsforschung weiteren Auftrieb. ...
Die Konzentration auf eine Familie bietet den Vorteil, sehr konkrete,
genaue und in die Tiefe gehende Erkenntnisse liefern zu können. Die
Bandbreite individueller Reaktionen auf eine sich verändernde Umwelt
kann auf diese Weise sehr nuanciert dargestellt werden. Außerdem
lässt sich die Wirkungskraft von Institutionen auf das Individuum
auf der Mikro-Ebene deutlicher zeigen. Gerade im Fall des Adels
erweist sich die Familie als besonders geeigneter Referenzrahmen,
da in Familien gedacht und gelebt wurde. Die Wichtigkeit der näheren
und weiteren Verwandtschaft sowie von schulischen, universitären oder
beruflichen Netzwerken soll dabei nicht unterschlagen werden. ...
Die Arbeit basiert in weiten Teilen auf der Auswertung subjektiver
Quellengattungen (besonders von Briefen, Tagebüchern, eigenen litera-
rischen Werken, Autobiographien), die Aussagen bzw. Selbstaussagen
über weniger ?harte? Charakteristika wie etwa Mentalität, Bewertung
der Umwelt und Persönlichkeit erlauben. Nur diese Art von Quellen
ermöglicht die Darstellung von Ambivalenz, Zweifeln oder inneren
Konflikten. Dabei darf gerade der Zwiespalt menschlicher Gefühle
oder Ambitionen nicht unterschätzt werden. Es ist durchaus denkbar,
dass ein Individuum auf gesellschaftliche Veränderungen sowohl
positiv als auch negativ reagierte und dies nicht nur in sequen-
tieller sondern auch paralleler Abfolge. Die Nachzeichnung der
Familiengeschichte über mehrere Jahrzehnte fügt ein dynamisches
Moment hinzu, das durch die Darstellung der Fortentwicklung oder
des Wandels unterschiedlicher Familienmitglieder ausgelöst wird.
Außerdem berücksichtigt die ?Nahsicht? die individuellen persön-
lichen Begabungen und Fähigkeiten, die ganz erheblich die jeweilige
Nutzung des sozialen, kulturellen und ökonomischen Kapitals
mitbestimmen. ...
Es ist Ziel herauszuarbeiten, welchen Weg eine fränkisch-thüringische
Familie des niederen Adels zwischen Anpassung an sich verändernde
gesellschaftliche Bedingungen und dem Beharren auf traditionellen
Werten und Denkmustern eingeschlagen hat. Da die Arbeit einen relativ
langen Zeitraum umfasst, sind auch einige grundsätzliche Aussagen
über generationsspezifische Verhaltensweisen möglich. Der Bezug auf
Generationen bietet den Vorteil, dass politikhistorisch herausragende
Daten oder Zäsuren wie 1789, 1848 oder 1918 in einen lebensgeschicht-
lichen Kontext gebettet werden. Oder anders ausgedrückt:
Diese Zäsuren waren für die Protagonisten wichtig, oft noch Jahre
oder Jahrzehnte nach den Ereignissen. ...
Aus dem Inhalt:
Ferdinand Freiherr von Erffa ? Staatsdiener und Landwirt (1796?1864)
? Adeliger Landbesitz als Lebensunterhalt und Lebensweise: Die Ge-
schichte des Familiengutes Ahorn ? Das Rittergut ? Strukturierung
der ländlichen Sozialbeziehungen (Dienerschaft, Verwalter und Förster,
Gegen die Leute sey streng aber freundlich?: Knechte, Mägde, Haus-
personal und Tagelöhner) ? Die Gutsrechte ? Präsenz auf mehreren
Ebenen (Patrimonialgerichtsbarkeit, Das Kirchen- und Schulpatronat,
?Die Jagd war wieder einmal brillant ...?) ? Alternative Wege der
standesgemäßen Versorgung (Staatsdienst, Militär- dienst) ? Die
Familie als Schauplatz adeligen Lebens (Bildung und Erziehung,
Eheschließung, die verheiratete adelige Frau, Frauenleben jenseits
der Ehe, das einzelne Familienmitglied und seine Stellung innerhalb
des Familienverbands) ? Adelige Selbstsicht und das Auftreten nach
außen ? Hermann Freiherr von Erffa ? konservativer Politiker und
Landwirt (1845?1911) ? Quellen- und Literaturverzeichnis
? Personen- und Ortsregister
Gesellschaft für fränkische Geschichte
c/o WiKommVerlag
Alter Festplatz 14
96135 Stegaurach
www.franken-im-buch.de
Mit freundlichen Grüßen
Sigrid Strauß-Morawitzky
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E-Mail Forum "Geschichte Bayerns"
Redaktion:
Redaktion_AT_geschichte-bayerns.de
http://www.geschichte-bayerns.de/
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