geschichte-bayerns@lists.lrz-muenchen.de

Geschichte Bayerns


[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]

[GBay] Neuerscheinung: M. Tamme, Apotheken in Bayern



Von: 	"Mario Tamme" <Mario.Tamme_AT_gmx.net>
An:	<redaktion_AT_geschichte-bayerns.de>
Datum:	11/3/2009 10:15 
Betreff:	Re: Apotheken in Bayern
-----------------------------------------------------------


Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei kurz einige Angaben zu meinem neuerschienenen Buch:

Mario Tamme: Apotheken in Bayern. Die Arzneimittelversorgung im Rentamt 
Landshut bis 1808,
Verlag Friedrich Pustet Regensburg, ISBN 9783791722368, 304 Seiten, 
29,90 Euro. 

Der Beruf des Pharmazeuten nimmt eine herausragende Stellung innerhalb 
der verschiedenen Gewerbearten ein. Daher ist die Geschichte der 
Apotheken ein wichtiger Bestandteil der Wirtschafts- und 
Sozialgeschichte einer Stadt. Das Buch schildert die Entstehung und 
Entwicklung der ersten Apotheken in den Staedten Landshut, Dingolfing, 
Erding und Vilshofen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der 
Darstellung von Personengruppen, wie der Bader, Haendler, Hebammen oder 
Kraeuterfrauen, die den Apothekern widerrechtlich Konkurrenz machten. 
Entsprechend der staedtischen Situation werden auch die medizinische 
Versorgung der laendlichen Raeume und die Bedeutung der 
Klosterapotheken z. B. Aldersbach, ferner die Installation von 
Landgerichtsapotheken in den Staedten Eggenfelden, Moosburg, Landau, 
Pfarrkirchen und Vilsbiburg thematisiert.


Ferner folgende Kurzrezension von Rudolf Neumaier, welche am 30.10.2009 
in der SZ auf Seite 34 erschienen ist:

"Von Pfuschern, Kraeutlein und Brechreiz
Opium wurde dem Volk lange vor Karl Marx verabreicht, und zwar oral. 
Als Mittel gegen Rheuma- und Zahnschmerzen waren opiumhaltige P 
uelverchen einst sehr gefragt. Fahrende Pfuscher boten Mittel wie 
Theriak und Mithridat feil, mit denen sich die Kundschaft sanft aus dem 
von schwerer Arbeit beladenen Alltag verabschieden konnte - auch wenn 
keine Schmerzen sie plagten. Zudem hatten Hebammen ein Haendchen fuer 
sogenannte schmerzlindernde Praeparate, doch sie mussten hoellisch 
aufpassen, dass sie nicht als Hexen verbrannt wurden. Scharlatane waren 
Legion. Legitimiert zu Produktion und Verkauf von Heilmitteln waren nur 
die Apotheker. Allein, von ihnen gab es viel zu wenige in Bayern - nur 
in den groessten Staedten praktizierten ausgebildete Pharmazeuten. Im 
Seuchenfaellen, etwa bei der Pest 1617 in Vilshofen, wirkte sich das 
mangelhafte Gesundheitssystem gravierend aus.
Der Historiker Mario Tamme erzaehlt in seinem Buch "Apotheken in 
Bayern" die Geschichte der Arzneimittelversorgung. Exemplarisch 
behandelt er das fruehere Rentamt Landshut. Die Quellen, die er in den 
Archiven gefunden und mit einer ueberaus leserfreundlichen 
Wissenschaftlichkeit aufbereitet hat, sind aus dem Leben der Menschen 
vergangener Jahrhunderte gegriffen.
Im spaeten Mittelalter waren die Apotheker auch fuer Suessigkeiten 
zustaendig: Sie lieferten Konfekt, in aus, wie Tamme schreibt, "mit 
Zucker gelierten Schalen von Zitrusfruechten, kandierten Nuessen, 
Mandeln, Nougat oder Marzipan", das je nach Bedarf mit abfuehrenden 
oder Brechreiz ausloesenden Mitteln versetzt war. Es diente dazu, "die 
Gesundheit der Fuersten nach den ueppigen Mahlzeiten und Trinkgelagen 
zu foerdern". Auch in Apotheken wurde mitunter uebel gepfuscht. 
Ansonsten waren die Apotheker seit dem 16. Jahrhundert angesehene 
Leute. Die Landshuter schrieben ihrem Stadtapotheker Johann Christoph 
Stubenboeck im Jahr 1720 auf den Grabstein: Der durch sein Kunst war 
dienstlich Kranken und Gesunden / Allein fuer sich kein Kraeutlein hat 
gefunden." 


Mit freundlichen Gruessen

Dr. Mario Tamme

__________________________________________________

        E-Mail-Forum "Geschichte Bayerns"
        http://www.geschichte-bayerns.de/

                    Redaktion:         
         redaktion_AT_geschichte-bayerns.de 
 _________________________________________________



[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]