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[GBay] Neuerscheinung: Die Geschichte der BayernLB



Betreff: Wtrlt: Neuerscheinung: Die Geschichte der BayernLB
Datum: Tue, 11 Aug 2009 08:58:16 +0200
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Newsletter des Instituts fuer Zeitgeschichte Muenchen - Berlin

Neuerscheinung



Johannes Baehr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto:

Die Geschichte der BayernLB

Herausgegeben vom Institut fuer Zeitgeschichte Muenchen-Berlin im Auftrag der BayernLB, ISBN 9783492053259, € 49,95

Als die BayernLB im Jahr 2007 das Institut für Zeitgeschichte beauftragte, anlässlich ihres 125. Jubiläums die Geschichte der Bank erforschen und veröffentlichen zu lassen, ahnte niemand, dass die Ergebnisse unter dem Eindruck der schwersten Finanzkrise seit den frühen 1930er Jahren in ganz neuem Licht erscheinen würden. Umso wichtiger war es, dass die beteiligten Wissenschaftler in völliger, vertraglich garantierter Unabhängigkeit gearbeitet haben. Die Leitfragen des 2009 abgeschlossenen Projektes, die sich die Autoren PD Dr. Johannes Bähr, Dr. Axel Drecoll und Dr. Bernhard Gotto stellten, haben seither an Aktualität und Bedeutung zugenommen: Was ist das Besondere an öffentlichen Banken? Wie verhalten sich ihre Verpflichtung auf das Gemeinwohl und die Orientierung an Gewinn und Rendite zueinander? Welche Konsequenzen hatte dies auf das Geschäftsmodell und das Geschäftsgebaren der Bank und ihrer Vorgängerinstitute?

Die Ahnen der heutigen Bank waren ganz dem Gemeinwohl verpflichtet: Die 1884 gegründete Landeskulturrentenanstalt vergab staatlich subventionierte Kredite, um die bayerische Landwirtschaft zu modernisieren. 1914 führte der Bayerische Giroverband den bargeldlosen Zahlungsverkehr ein, um die bayerischen Sparkassen zukunftsfähig zu machen. Beide Insitutionen wuchsen schnell über ihre ursprünglichen Aufgaben und zielsetzungen hinaus: Die Landeskulturrentenanstalt entwickelte sich zu einer Einrichtung, mit der der Staat über Förderprogramme wie den sozialen Wohnungsbau Gesellschaftspolitik betrieb. Die Girozentrale wurde schnell von einer reinen Abrechnungsstelle zur Zentralbank der Sparkassen und der Kommunen. Sie organisierte einen Großteil des Kapitalmarktes vor allem für die Städte und Gemeinden und drang dabei in neue, innovative Geschäftsfelder vor. Die Erfolge und das Wachstum beider Institutionen führten auch in Krisen hinein, die mehr als ein Mal die Frage nach ihrem Wesen und ihrer Zielrichtung aufwarfen. Auslöser waren zumeist die großen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts wie die beiden Weltkriege, die Inflation oder der Fall des Eisernen Vorhangs. Epochale Trends wie die Europäische Integration, die Globalisierung und der Wandel der Finanzmärkte prägten die Bank ebenso. Immer wieder mussten sich die leitenden Direktoren, aber auch die Vertreter von Sparkassen und Staatsregierung in den Aufsichtsgremien damit auseinandersetzen, wie die Gemeinwohlverpflichtung konkret eingelöst werden sollte und konnte.

Insgesamt ist die Geschichte der BayernLB von einer Bewegungsrichtung geprägt, bei der die Bedeutung des Gemeinwohls als handlungsleitendes, sinnstiftendes Prinzip kontinuierlich abnahm. Schon vor der Fusion von Landesbodenkreditanstalt und Bayerischer Gemeindebank zur bayerischen Landesbank im Jahr 1972 waren beide Häuser markt- und wettbewerbsorientierte Finanzdienstleister. In der Folgezeit baute sich die Landesbank zu einem weltweit agierenden Finanzkonzern aus, in dem die Gemeinwohlorientierung zwar weiter betont wurde, dessen strategische Entscheidungen aber nach Kriterien fielen, die sich von denen privatwirtschaftlicher Geschäftsbanken nicht unterschieden. Diese Entwicklungsrichtung ging mit der Entscheidung der Europäischen Kommission von 2001 einher, die Staatsgarantien für öffentliche Banken abzuschaffen.

Dieser Einschnitt bedeutete das Ende einer fast hundertjährigen Auseinandersetzung zwischen privatem und öffentlichem Banksektor. Vieles spricht dafür, dass dieser Wendepunkt sich für die BayernLB als prägendere Zäsur erweisen wird als die derzeitige Krise. Die Geschichte der BayernLB kann so auch exemplarisch für ein ganzes Segment der deutschen Bankenlandschaft gelesen werden. Sie zeigt die Erfolge und Verdienste dieses Modells ebenso auf wie die ihm innewohnenden Schwächen und Anfälligkeiten. Sie legt offen, welchen Einfluss die Bewegungsgesetze des Marktes, aber auch Veränderungen im Selbstverständnis von Staat und Bürgern auf eine so eng mit der öffentlichen Hand verwobene Institution ausübten. Wer den Platz der öffentlichen Banken in unserem heutigen Finanzsystem verstehen und verorten möchte, wird daher in dieser Geschichte viele Antworten und Argumente finden.

Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto: Die Geschichte der BayernLB. München 2009, Piper Verlag, € 49,95, ISBN: 9783492053259


Johannes Baehr ist Lehrbeauftragter an der Freien Universitaet Berlin und an der SRH Hochschule Calw. Axel Drecoll ist Wissenschaftlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg. Bernhard Gotto ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent fuer Oeffentlichkeitsarbeit am Institut fuer Zeitgeschichte Muenchen-Berlin.



Hubert Bauer (Hrsg.): Bayern LB. Die Geschichte in Bildern. München 2009, Piper Verlag, € 49,95, ISBN: 9783492053242


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