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[GBay] Neuerscheinung: Die Geschichte der BayernLB
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- Subject: [GBay] Neuerscheinung: Die Geschichte der BayernLB
- From: "Geschichte Bayerns (Dr. Thomas Paringer)" <T.Paringer_AT_kbl.badw-muenchen.de>
- Date: Tue, 11 Aug 2009 21:05:06 +0200
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Betreff: Wtrlt: Neuerscheinung: Die Geschichte der BayernLB
Datum: Tue, 11 Aug 2009 08:58:16 +0200
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Newsletter des Instituts fuer Zeitgeschichte Muenchen - Berlin
Neuerscheinung
Johannes Baehr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto:
Die Geschichte der BayernLB
Herausgegeben vom Institut fuer Zeitgeschichte Muenchen-Berlin im
Auftrag der BayernLB, ISBN 9783492053259, € 49,95
Als die BayernLB im Jahr 2007 das Institut für Zeitgeschichte
beauftragte, anlässlich ihres 125. Jubiläums die Geschichte der Bank
erforschen und veröffentlichen zu lassen, ahnte niemand, dass die
Ergebnisse unter dem Eindruck der schwersten Finanzkrise seit den frühen
1930er Jahren in ganz neuem Licht erscheinen würden. Umso wichtiger war
es, dass die beteiligten Wissenschaftler in völliger, vertraglich
garantierter Unabhängigkeit gearbeitet haben. Die Leitfragen des 2009
abgeschlossenen Projektes, die sich die Autoren PD Dr. Johannes Bähr,
Dr. Axel Drecoll und Dr. Bernhard Gotto stellten, haben seither an
Aktualität und Bedeutung zugenommen: Was ist das Besondere an
öffentlichen Banken? Wie verhalten sich ihre Verpflichtung auf das
Gemeinwohl und die Orientierung an Gewinn und Rendite zueinander? Welche
Konsequenzen hatte dies auf das Geschäftsmodell und das Geschäftsgebaren
der Bank und ihrer Vorgängerinstitute?
Die Ahnen der heutigen Bank waren ganz dem Gemeinwohl verpflichtet: Die
1884 gegründete Landeskulturrentenanstalt vergab staatlich
subventionierte Kredite, um die bayerische Landwirtschaft zu
modernisieren. 1914 führte der Bayerische Giroverband den bargeldlosen
Zahlungsverkehr ein, um die bayerischen Sparkassen zukunftsfähig zu
machen. Beide Insitutionen wuchsen schnell über ihre ursprünglichen
Aufgaben und zielsetzungen hinaus: Die Landeskulturrentenanstalt
entwickelte sich zu einer Einrichtung, mit der der Staat über
Förderprogramme wie den sozialen Wohnungsbau Gesellschaftspolitik
betrieb. Die Girozentrale wurde schnell von einer reinen
Abrechnungsstelle zur Zentralbank der Sparkassen und der Kommunen. Sie
organisierte einen Großteil des Kapitalmarktes vor allem für die Städte
und Gemeinden und drang dabei in neue, innovative Geschäftsfelder vor.
Die Erfolge und das Wachstum beider Institutionen führten auch in Krisen
hinein, die mehr als ein Mal die Frage nach ihrem Wesen und ihrer
Zielrichtung aufwarfen. Auslöser waren zumeist die großen Verwerfungen
des 20. Jahrhunderts wie die beiden Weltkriege, die Inflation oder der
Fall des Eisernen Vorhangs. Epochale Trends wie die Europäische
Integration, die Globalisierung und der Wandel der Finanzmärkte prägten
die Bank ebenso. Immer wieder mussten sich die leitenden Direktoren,
aber auch die Vertreter von Sparkassen und Staatsregierung in den
Aufsichtsgremien damit auseinandersetzen, wie die
Gemeinwohlverpflichtung konkret eingelöst werden sollte und konnte.
Insgesamt ist die Geschichte der BayernLB von einer Bewegungsrichtung
geprägt, bei der die Bedeutung des Gemeinwohls als handlungsleitendes,
sinnstiftendes Prinzip kontinuierlich abnahm. Schon vor der Fusion von
Landesbodenkreditanstalt und Bayerischer Gemeindebank zur bayerischen
Landesbank im Jahr 1972 waren beide Häuser markt- und
wettbewerbsorientierte Finanzdienstleister. In der Folgezeit baute sich
die Landesbank zu einem weltweit agierenden Finanzkonzern aus, in dem
die Gemeinwohlorientierung zwar weiter betont wurde, dessen strategische
Entscheidungen aber nach Kriterien fielen, die sich von denen
privatwirtschaftlicher Geschäftsbanken nicht unterschieden. Diese
Entwicklungsrichtung ging mit der Entscheidung der Europäischen
Kommission von 2001 einher, die Staatsgarantien für öffentliche Banken
abzuschaffen.
Dieser Einschnitt bedeutete das Ende einer fast hundertjährigen
Auseinandersetzung zwischen privatem und öffentlichem Banksektor. Vieles
spricht dafür, dass dieser Wendepunkt sich für die BayernLB als
prägendere Zäsur erweisen wird als die derzeitige Krise. Die Geschichte
der BayernLB kann so auch exemplarisch für ein ganzes Segment der
deutschen Bankenlandschaft gelesen werden. Sie zeigt die Erfolge und
Verdienste dieses Modells ebenso auf wie die ihm innewohnenden Schwächen
und Anfälligkeiten. Sie legt offen, welchen Einfluss die
Bewegungsgesetze des Marktes, aber auch Veränderungen im
Selbstverständnis von Staat und Bürgern auf eine so eng mit der
öffentlichen Hand verwobene Institution ausübten. Wer den Platz der
öffentlichen Banken in unserem heutigen Finanzsystem verstehen und
verorten möchte, wird daher in dieser Geschichte viele Antworten und
Argumente finden.
Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto: Die Geschichte der
BayernLB. München 2009, Piper Verlag, € 49,95, ISBN: 9783492053259
Johannes Baehr ist Lehrbeauftragter an der Freien Universitaet Berlin
und an der SRH Hochschule Calw. Axel Drecoll ist Wissenschaftlicher
Leiter der Dokumentation Obersalzberg. Bernhard Gotto ist
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent fuer Oeffentlichkeitsarbeit
am Institut fuer Zeitgeschichte Muenchen-Berlin.
Hubert Bauer (Hrsg.): Bayern LB. Die Geschichte in Bildern. München
2009, Piper Verlag, € 49,95, ISBN: 9783492053242
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