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[GBay] Neuerscheinung: Schwaben im Hl. Roemischen Reich



Von: 	<Birgit.Boellinger_AT_bezirk-schwaben.de>
Datum:	7/28/2009 12:15 
Betreff:	Buchpraesentation "Schwaben im Hl. Roemischen Reich" - 
wissenschaftlicher Hintergrund zur aktuellen Debatte um schwaebisches 
Selbstverstaendnis
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Ist Bayern Schwabens Kolonialmacht?

Buchpraesentation zu "Schwaben im Hl. Roemischen Reich" und dem 
schwaebischen Selbstfindungsprozess

Augsburg (pm). "Studien zur geistigen Landkarte Schwabens" ist ein 
neues Buch untertitelt, das nun von der Bezirksheimatpflege des 
Bezirks Schwaben vorgestellt wurde. "An der derzeitigen Diskussion 
kann man deutlich sehen, wie aktuell wir mit diesem Buch sind - der 
schwaebische Selbstfindungsprozess ist offenbar immer noch nicht 
abgeschlossen", betonte Bezirkstagspraesident Juergen Reichert bei der 
Praesentation des Tagungsbandes "Schwaben im Hl. Roemischen Reich und 
das Reich in Schwaben". 
2006 hatten die Bezirksheimatpflege und die Schwabenakademie Irsee 
eine gemeinsame Tagung zum Ende des Hl. Roemischen Reiches 1806 
veranstaltet. Dass die nun drei Jahre spaeter daraus folgende 
Publikation so gut zur tagesaktuellen Debatte passen wuerde, konnten 
die beiden Herausgeber Dr. Peter Fassl und Dr. Rainer Jehl nicht 
voraussehen, auch wenn, so betonen der Bezirksheimatpfleger und der 
Direktor der Schwabenakademie in ihrem Vorwort, "das schwaebische 
Selbstverstaendnis im Alten Reich im kulturellen wie im politischen 
Diskurs eine feste Groesse darstellt, die von den einen als Konstrukt, 
den anderen als Stereotype, von den meisten aber als Realitaet 
wahrgenommen wird". 
In dem im Wissner Verlag Augsburg erschienenen Tagungsband wird der 
Blick in den Einzelbeitraegen unter anderem gelenkt auf das 
"Schwaebische Selbstverstaendnis der Reichsstaedte", die "Wahrnehmung 
des Krieges in Schwaben vom 16. bis zum 19. Jahrhundert" sowie auf die 
Situation des schwaebischen Adels nach dem Ende des Hl. Roemischen 
Reiches. Namhafte Autoren untersuchen die Spuren, die 1806 der bis 
dahin tiefste Einschnitt in seiner Geschichte im heutigen bayerischen 
Schwaben hinterlassen hat - Geschichtsbetrachtung also, die durchaus 
Auswirkungen auf das heutige kulturelle Selbstverstaendnis haben kann.
"Im Gegensatz zu den altbayerischen Gebieten, die sich in ihrer 
erinnerungspolitischen Selbstdarstellung stets auf die Wittelsbacher 
Tradition berufen, beziehen sich Schwaben und natuerlich auch Franken 
deutlich staerker auf die Tradition des Alten Reiches. Das Reich ist 
ueber eine Vielzahl von Baudenkmaelern, ueber Museen und Gedenkfeiern, 
ueber historische Feste in Noerdlingen und Donauwoerth, Memmingen, 
Kaufbeuren, Lindau oder Augsburg in Schwaben ungemein praesent", so 
Professorin Dr. Marita Krauss bei der Praesentation.

Die Inhaberin des Lehrstuhls fuer bayerische und schwaebische 
Landesgeschichte an der Universitaet Augsburg, der eng mit dem Bezirk 
Schwaben verknuepft ist, verdeutlichte in ihrem Referat, dass der 
schwaebische Selbstfindungsprozess durchaus nichts Exklusives ist: 
"Fuer die Entstehung europaeischer Regionen im 19. und 20. Jahrhundert 
waren Ungleichzeitigkeiten der industriellen Entwicklung und damit 
unterschiedliche wirtschaftliche Interessen ebenso von Bedeutung wie 
die Auflehnung gegen ein uebergeordnetes politisches Regiment, in 
diesem Falle gegen Bayern. Hinzu kam bei all diesen Regionen die 
Abgrenzung nach aussen, um nach innen Gemeinsamkeiten betonen zu 
koennen", so Professorin Krauss, "Die in Schwaben immer wieder betonte 
Reichstradition ist nicht nur ein Teil historischer Erinnerung an eine 
vergangene Zeit. Sie war durch die letzten beiden Jahrhunderte 
hindurch, und das macht sie bis heute so lebendig, immer auch eine 
Kampfansage gegen die inzwischen scheinbar selbstverstaendliche 
Zugehoerigkeit zu Bayern, zu einem Bayern, das bis heute im 
Schwaebischen fast als Kolonialmacht gehandelt wird. Gegen Bayern, das 
sich zumindest im 19. Jahrhundert selbst noch als "Reich" 
beziehungsweise als "Nation" bezeichnete, wird mit Blick auf die 
vielen freien Reichsstaedte, Reichsritterschaften und Reichsabteien 
die bedeutendere und aeltere Tradition des Heiligen Roemischen Reiches 
deutscher Nation ins Feld gefuehrt, gegen den erst 850 Jahre alten 
"Parvenue" Muenchen die roemische Tradition Augsburgs. Damit ist der 
Reichsbezug in Schwaben immer auch antibayerisch aufgeladen, er 
repraesentiert den Versuch von Abgrenzung und Selbstidentifikation 
ausserhalb der bestehenden Zugehoerigkeit zu Bayern".

Das Buch "Schwaben im Hl. Roemischen Reich und das Reich in Schwaben", 
Herausgeber Dr. Peter Fassl und Dr. Rainer Jehl, ist im Wissner-Verlag 
Augsburg erschienen. ISBN: 978-3-89639-684-6.

Birgit Boellinger
Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit
Bezirk Schwaben
Telefon 0821/3101-241
Telefax 0821/3101-289

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