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Geschichte Bayerns
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[GBay] Neuerscheinung: Schwaben im Hl. Roemischen Reich
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- Subject: [GBay] Neuerscheinung: Schwaben im Hl. Roemischen Reich
- From: "Geschichte Bayerns (Dr. Georg Köglmeier)" <georg.koeglmeier_AT_soziologie.uni-regensburg.de>
- Date: Tue, 28 Jul 2009 13:09:36 +0200
- Organization: Universitaet Regensburg
- Reply-to: geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de
- Sender: owner-geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de
Von: <Birgit.Boellinger_AT_bezirk-schwaben.de>
Datum: 7/28/2009 12:15
Betreff: Buchpraesentation "Schwaben im Hl. Roemischen Reich" -
wissenschaftlicher Hintergrund zur aktuellen Debatte um schwaebisches
Selbstverstaendnis
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Ist Bayern Schwabens Kolonialmacht?
Buchpraesentation zu "Schwaben im Hl. Roemischen Reich" und dem
schwaebischen Selbstfindungsprozess
Augsburg (pm). "Studien zur geistigen Landkarte Schwabens" ist ein
neues Buch untertitelt, das nun von der Bezirksheimatpflege des
Bezirks Schwaben vorgestellt wurde. "An der derzeitigen Diskussion
kann man deutlich sehen, wie aktuell wir mit diesem Buch sind - der
schwaebische Selbstfindungsprozess ist offenbar immer noch nicht
abgeschlossen", betonte Bezirkstagspraesident Juergen Reichert bei der
Praesentation des Tagungsbandes "Schwaben im Hl. Roemischen Reich und
das Reich in Schwaben".
2006 hatten die Bezirksheimatpflege und die Schwabenakademie Irsee
eine gemeinsame Tagung zum Ende des Hl. Roemischen Reiches 1806
veranstaltet. Dass die nun drei Jahre spaeter daraus folgende
Publikation so gut zur tagesaktuellen Debatte passen wuerde, konnten
die beiden Herausgeber Dr. Peter Fassl und Dr. Rainer Jehl nicht
voraussehen, auch wenn, so betonen der Bezirksheimatpfleger und der
Direktor der Schwabenakademie in ihrem Vorwort, "das schwaebische
Selbstverstaendnis im Alten Reich im kulturellen wie im politischen
Diskurs eine feste Groesse darstellt, die von den einen als Konstrukt,
den anderen als Stereotype, von den meisten aber als Realitaet
wahrgenommen wird".
In dem im Wissner Verlag Augsburg erschienenen Tagungsband wird der
Blick in den Einzelbeitraegen unter anderem gelenkt auf das
"Schwaebische Selbstverstaendnis der Reichsstaedte", die "Wahrnehmung
des Krieges in Schwaben vom 16. bis zum 19. Jahrhundert" sowie auf die
Situation des schwaebischen Adels nach dem Ende des Hl. Roemischen
Reiches. Namhafte Autoren untersuchen die Spuren, die 1806 der bis
dahin tiefste Einschnitt in seiner Geschichte im heutigen bayerischen
Schwaben hinterlassen hat - Geschichtsbetrachtung also, die durchaus
Auswirkungen auf das heutige kulturelle Selbstverstaendnis haben kann.
"Im Gegensatz zu den altbayerischen Gebieten, die sich in ihrer
erinnerungspolitischen Selbstdarstellung stets auf die Wittelsbacher
Tradition berufen, beziehen sich Schwaben und natuerlich auch Franken
deutlich staerker auf die Tradition des Alten Reiches. Das Reich ist
ueber eine Vielzahl von Baudenkmaelern, ueber Museen und Gedenkfeiern,
ueber historische Feste in Noerdlingen und Donauwoerth, Memmingen,
Kaufbeuren, Lindau oder Augsburg in Schwaben ungemein praesent", so
Professorin Dr. Marita Krauss bei der Praesentation.
Die Inhaberin des Lehrstuhls fuer bayerische und schwaebische
Landesgeschichte an der Universitaet Augsburg, der eng mit dem Bezirk
Schwaben verknuepft ist, verdeutlichte in ihrem Referat, dass der
schwaebische Selbstfindungsprozess durchaus nichts Exklusives ist:
"Fuer die Entstehung europaeischer Regionen im 19. und 20. Jahrhundert
waren Ungleichzeitigkeiten der industriellen Entwicklung und damit
unterschiedliche wirtschaftliche Interessen ebenso von Bedeutung wie
die Auflehnung gegen ein uebergeordnetes politisches Regiment, in
diesem Falle gegen Bayern. Hinzu kam bei all diesen Regionen die
Abgrenzung nach aussen, um nach innen Gemeinsamkeiten betonen zu
koennen", so Professorin Krauss, "Die in Schwaben immer wieder betonte
Reichstradition ist nicht nur ein Teil historischer Erinnerung an eine
vergangene Zeit. Sie war durch die letzten beiden Jahrhunderte
hindurch, und das macht sie bis heute so lebendig, immer auch eine
Kampfansage gegen die inzwischen scheinbar selbstverstaendliche
Zugehoerigkeit zu Bayern, zu einem Bayern, das bis heute im
Schwaebischen fast als Kolonialmacht gehandelt wird. Gegen Bayern, das
sich zumindest im 19. Jahrhundert selbst noch als "Reich"
beziehungsweise als "Nation" bezeichnete, wird mit Blick auf die
vielen freien Reichsstaedte, Reichsritterschaften und Reichsabteien
die bedeutendere und aeltere Tradition des Heiligen Roemischen Reiches
deutscher Nation ins Feld gefuehrt, gegen den erst 850 Jahre alten
"Parvenue" Muenchen die roemische Tradition Augsburgs. Damit ist der
Reichsbezug in Schwaben immer auch antibayerisch aufgeladen, er
repraesentiert den Versuch von Abgrenzung und Selbstidentifikation
ausserhalb der bestehenden Zugehoerigkeit zu Bayern".
Das Buch "Schwaben im Hl. Roemischen Reich und das Reich in Schwaben",
Herausgeber Dr. Peter Fassl und Dr. Rainer Jehl, ist im Wissner-Verlag
Augsburg erschienen. ISBN: 978-3-89639-684-6.
Birgit Boellinger
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Bezirk Schwaben
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