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[GBay] Projekt: "Endstation Vernichtung"
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- Subject: [GBay] Projekt: "Endstation Vernichtung"
- From: "Dr. Daniel Schlögl" <schloegl_AT_ifz-muenchen.de>
- Date: Wed, 17 Jun 2009 08:22:16 +0200
- Organization: Institut für Zeitgeschichte
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Betreff: AW: Wtrlt: Projekt "Endstation Vernichtung"
Datum: Wed, 17 Jun 2009 07:49:03 +0200
Von: Alexander Klier <Alexander.Klier_AT_bildungswerk-bayern.de>
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Endstation Vernichtung
Diensteifer und Pflichterfuellung bei der Reichsbahn in Muenchen 1933 – 1945
Ausstellungen und Veranstaltungsprogramm
vom 19. Juni - 31. Juli 2009
Vorwort des Schirmherrn
Sehr geehrte Damen und Herren!
Als Ende April diesen Jahres der "Zug der Erinnerung" in Muenchen
einfuhr und uns die schreckliche Geschichte der Deportationen von
Kindern in die Vernichtungslager vor Augen fuehrte, habe ich als
Schirmherr in meiner Eroeffnungsrede auf die Luecken der
Geschichtsforschung hingewiesen. Auch in Muenchen, wo seit vielen Jahren
aeusserst rege ueber die NS-Zeit geforscht wird, wo inzwischen vieles
ueber die Verfolgung von Muenchnerinnen und Muenchnern sowie ueber die
meisten, wenn auch nicht alle Taetergruppen bekannt ist, gibt es blinde
Flecken, Forschungsfelder, deren Geschichte noch zu schreiben ist. Eines
davon ist die Geschichte der Deutschen Reichsbahn.
Die Bedeutung dieses Massenverkehrsmittels und Guetertransporteurs fuer
das Funktionieren und die Stabilisierung des NS-Unrechtssystems ist nun
in der Ausstellung "Endstation Vernichtung – Diensteifer und
Pflichterfuellung bei der Reichsbahn in Muenchen 1933 – 1945", die vom
19. Juni bis 31. Juli 2009 zu sehen sein wird, untersucht und sichtbar
gemacht worden.
Als Schirmherr auch dieses Projekts will ich Sie auf die Ausstellung und
das umfangreiche Begleitprogramm mit Zeitzeugenberichten, Filmen,
Fuehrungen und Vortraegen aufmerksam machen.
Auch die Reichsbahn wurde in den fruehen 30er Jahren "gleichgeschaltet".
Missliebige Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten wurden
entlassen, Mitarbeiter juedischer Herkunft wurden nach und nach ihrer
Posten enthoben. Es gab Widerstand bei den Reichsbahnern, zum Beispiel
durch die sozialdemokratischen "Roten Rebellen" um Franz Faltner, aber
insgesamt und vergleichsweise fand er zu wenig Unterstuetzung. Filme und
Fotos erinnern noch an die mit Hakenkreuzfahnen und NS-Parolen
geschmueckten Bahnhoefe und Zuege, die Tausende von begeisterten
Menschen zu den Reichsparteitagen brachten; sie erinnern an die
propagandawirksamen Sonderfahrtprogramme von "Kraft durch Freude"; sie
erinnern aber auch an die Massenbefoerderungen ganz anderer Art ab 1939.
Wirtschafts- und militaerstrategische Transporte groessten Ausmasses und
die gesamte Kriegsmaschinerie waeren ohne die willfaehrigen Dienste der
Reichsbahn undenkbar.
Die grausamsten Kapitel der Geschichte der Reichsbahn begannen ab 1939.
Es gab aus KZ-Haeftlingen zusammengestellte SS-Eisenbahnbaubrigaden, die
in einem "KZ auf Schienen" hausen mussten und von der SS, aber auch von
Reichsbahnern bewacht wurden; es gab die Verschleppung von 120.000
Zwangsarbeitern aus den oestlichen Gebieten zum Arbeitseinsatz im
Grossraum Muenchen. Diese Aktionen erfolgten in den gleichen Zuegen, die
auf der Hinfahrt – mit betraechtlichem Profit – aus vielen europaeischen
Nachbarlaendern und alleine aus Muenchen rund 3.000 juedische
Muenchnerinnen und Muenchner, Kinder, Frauen und Maenner in die
Todeslager verbracht hatten. Auch zahlreiche Sinti und Roma wurden aus
ganz Europa in die Vernichtungslager per Bahn deportiert. Und gegen Ende
des Krieges, als die sowjetischen Befreier nahten, wurden die Gefangenen
der oestlich gelegenen Arbeits- und Todeslager in oft wochenlang
dauernden Fahrten ohne Verpflegung in eisiger Kaelte in die frontfernen
Konzentrationslager verfrachtet. Die meisten starben.
Ohne die anpassungsbereiten Akteure, ohne die dienstbare Buerokratie,
ohne eine Vielzahl von Dienststellen und Mitarbeitern der Reichsbahn
auch in Muenchen haette der systematische Mord an den europaeischen
Juden und anderen Verfolgtengruppen nicht ausgefuehrt werden koennen.
Die Opfer in unserer Stadt, von denen nur einige wenige ueberlebt haben,
verdienen einen wuerdigen Umgang mit der Vergangenheit. Muenchnerinnen
und Muenchner koennen in diesen sechs Wochen vom 19. Juni bis 31. Juli
2009 und darueber hinaus die historische Verantwortung der Deutschen
Bahn AG kennenlernen und sich mit den lokalhistorischen Fakten
auseinandersetzen.
Christian Ude
Oberbuergermeister der Landeshauptstadt Muenchen
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Die Themenschwerpunkte
1. Die Reichsbahn in Muenchen: Mobilitaet und Infrastruktur
In den 1930er Jahren war die Bahn das Universaltransportmittel fuer den
Individual- und Gueterverkehr. Muenchen hatte sich zum bedeutendsten
sueddeutschen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Fuer den
Wirtschaftsstandort Muenchen besass die Bahn erhebliche Bedeutung, da
sie neben dem Betrieb der grossen Ausbesserungswerke in Freimann und
Aubing eine beschaeftigungsintensive Zulieferindustrie mit Auftraegen
versorgte. Dafuer stehen Unternehmen wie die Lokomotivenfabrik
Krauss-Maffei oder die Sueddeutsche Bremsen AG. Die Zentralfunktion
Muenchens fuer den Bahnverkehr spiegelt sich zudem in einer
weitlaeufigen Buerokratie, zu der neben der Reichsbahndirektion Muenchen
auch das Reichsbahn-Zentralamt, die Generalbetriebsleitung Sued und die
Reichsbahnbaudirektion Muenchen gehoerten.
2. Der Bahnverkehr im Machtkalkuel des NS
Ausgehend von den Muenchner Gegebenheiten als sueddeutschem
Verkehrsknotenpunkt und ueberregionaler Verwaltungszentrale stellt sich
die Frage nach der funktionalen und strategischen Bedeutung des
Transportdienstleisters Bahn im nationalsozialistischen Machtgefuege. Im
Blickpunkt stehen hier die Mechanismen von Gleichschaltung und Anpassung
sowie die Instrumentalisierung von Bahninfrastruktur fuer die
NS-Herrschaftsziele. Ueber die gelungene Verbindung ihres traditionellen
Wertekanons – Pflichterfuellung, Praezision, Disziplin – mit
nationalsozialistischer Ideologie wird die Bahn zum aktiven Teilhaber
der aggressiven Expansionspolitik und damit auch eines moerderischen
Rassismus. Ohne die Verkehrs- und Verwaltungslogistik der Reichsbahn
waere der nationalsozialistische Eroberungskrieg undurchfuehrbar gewesen.
3. Zwischen Anpassung und Widerstand – die Reichsbahner-Milieus
Die Alltags- und Arbeitswelt der Muenchner Reichsbahner ist bislang erst
unzureichend ausgeleuchtet. Die Ausstellung unternimmt einen ersten
Versuch, das Verhaltensspektrum der Reichsbahner zwischen Anpassung und
Widerstand zu konkretisieren und exemplarisch darzustellen. Die
kleinraeumliche Lebenswelt in relativ geschlossenen Milieus, die
Eisenbahnersiedlungen, die speziellen Freizeit- und Kulturangebote und
nicht zuletzt die politische Orientierung an traditionell eher linken
Einstellungen deuten zwar auf eine geringe Anpassungsbereitschaft an den
Nationalsozialismus hin. Allerdings sind von Seiten der Reichsbahner nur
wenige widerstaendige Aktionen ueberliefert. Mit betraechtlichem
propagandistischen Aufwand wurden die Beschaeftigten der Bahn auf das
Regime eingeschworen. Nicht alle waren deshalb ueberzeugte
Nationalsozialisten. So zeigt sich auch unter den Reichsbahnern ein
breites Spektrum unterschiedlicher Verhaltensweisen: Von Anpassung und
Begeisterung bis hin zu Verweigerung und Widerstand.
4. Die Reichsbahn und die Logistik der Vernichtung
Der geraeusch- und reibungslose Vollzug der Massenvernichtung der
europaeischen Juden, die zahllosen Todesfahrten in die Konzentrations-
und Vernichtungslager sind ohne die willfaehrige Beteiligung der
Reichsbahn und ihrer Mitarbeiter nicht denkbar. Ausgehend von der
Situation in Muenchen werden Entscheidungstraeger und Vollzugsorgane der
Logistik des Todes benannt, Transportstrukturen veranschaulicht und die
Schicksale von Opfern rekonstruiert. Das Wissen der lokalen bzw.
regionalen Entscheidungstraeger um die todbringende Bestimmung der
Transporte steht dabei ausser Frage. Die Deportation der Juden auf der
Schiene war eine Vorbedingung fuer die mit buerokratischer Perfidie
vollzogene Auspluenderung ihres Vermoegens.
5. Die Reichsbahn als Arbeitgeber, Transportressource und Profiteur des
NS-Regimes
Die Reichsbahn war nicht nur Exekutionsorgan des nationalsozialistischen
Expansionsstrebens und der Massenvernichtung, sondern auch aktiver
Nutzniesser und Profiteur des NS-Systems. Ueber den Einsatz ziviler
auslaendischer Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Haeftlinge
beteiligte sich die Bahn am Programm der Ausbeutung unzaehliger unfreier
Arbeitskraefte. Durch den Transport von Soldaten und Kriegsgeraet, aber
auch durch die massenhafte Verschiebung von Guetern aus den besetzten
europaeischen Laendern ins Reichsgebiet (darunter auch Vermoegenswerte
aus "arisiertem" Eigentum) leistete die Reichsbahn einen entscheidenden
volkswirtschaftlichen Beitrag und trug dazu bei, das
nationalsozialistische Regime zu stabilisieren.
6. Schwieriger Blick zurueck? Die Bahn AG und der Umgang mit der Geschichte
Die Bereitschaft der Deutschen Bahn AG zu einer umfassenden und
konstruktiven Beschaeftigung mit der eigenen historischen Rolle ist nach
wie vor unzureichend. Die Haltung der deutschen Wirtschaft zum Umgang
mit der NS-Geschichte und dem eigenen Anteil daran hat sich seit Ende
der 1990er Jahre veraendert. Im Gegensatz dazu zeigt die
Unternehmensspitze der Bahn immer wieder eine fragwuerdige und
irritierende Verweigerungshaltung. Die Ausstellung macht in diesem
Zusammenhang deutlich: Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit
ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, dem sich auch die Deutsche
Bahn AG vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte zu stellen hat.
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Die Ausstellung
Die Ausstellungsorte
DGB Haus, Foyer und Tagungstrakt
Schwanthalerstr. 64
80336 Muenchen
Ein Teil der Ausstellung wird mit dem DGB Haus an einer Oertlichkeit
praesentiert, die einen mittelbaren Themenbezug besitzt. Ludwig Koch,
der bei der Reichsbahn eine Lehre als Schlosser absolvierte und sehr
bald in den Widerstand ging, war von 1946 an Jugendsekretaer und von
1953 - 1973 Kreisvorsitzender des DGB. Er praegte durch sein Wirken die
Gewerkschaftsarbeit in Bayern und Muenchen in hohem Mass. Ludwig Koch zu
Ehren wird die Ausstellung an dieser Lokalitaet stattfinden.
Hackerbruecke
Grasserstrasse
Muenchen
Die Ausstellung auf der Hackerbruecke - konzipiert als
Freiluft-Ausstellung am historischen Ort - zeigt die thematische Breite
des Projekts "Reichsbahn und Nationalsozialismus". In unmittelbarer
Nachbarschaft der Hackerbruecke befanden sich der "Milchladehof" und die
"Eilguthalle". Von diesen inzwischen in Vergessenheit geratenen Orten
wurden zahlreiche juedische Muenchnerinnen und Muenchnern nach
Theresienstadt deportiert.
Der Ausstellungszeitraum: 19. Juni 2009 – 31. Juli 2009
Oeffnungszeiten: Montag – Freitag von 10.00 Uhr – 19.00 Uhr,
Samstag von 10:00 Uhr – 13:00 Uhr.
Um ein breites Spektrum von Zielgruppen zu erreichen, werden neben
traditionellen Medien wie Plakaten und Flyern moderne Medien (Internet,
Webcam) sowie eine Kunstinstallation (Graffiti) eingesetzt. Damit soll
eine moeglichst weitreichende Praesenz des Projekts in der
Stadtgesellschaft erreicht werden. Wichtig ist den Traegern der
Ausstellung vor allem auch Jugendliche anzusprechen.
Weitere Informationen zum umfangreichen Rahmenprogramm (u.a. Fuehrungen,
Filmreihe, Zeitzeugengespraeche, Vortraege) erhalten Sie ueber die
Internetpraesenz des Projekts:
www.endstation-vernichtung.de
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Die Kooperationspartner
Schirmherr: Oberbuergermeister Christian Ude
Arbeit und Leben Muenchen
DGB-Bildungswerk Bayern
Gegen Vergessen – Fuer Demokratie e.V.
Regionale Arbeitsgruppe Muenchen
Kreisjugendring Muenchen-Stadt
Memento e.V.
Muenchner Volkshochschule
SJD- Die Falken Landesverband Bayern
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN/BdA
Mit Unterstuetzung des Kulturreferats der Landeshauptstadt Muenchen, des
Stadtarchivs Muenchen und der Muenchner Stadtbibliothek sowie der
Petra-Kelly-Stiftung und des BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Finanziell gefoerdert durch:
- Stiftung der Stadtsparkasse Muenchen
- NS Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelaende Nuernberg
Mit freundlichen Gruessen
Alexander Klier
Dr. Alexander Klier
DGB Bildungswerk Muenchen
Schwanthalerstr. 64
80336 Muenchen
Tel.: 089 / 55933641
Mobil: 0171 / 3605186
Fax: 089 / 5380494
E-Mail: alexander.klier_AT_bildungswerk-bayern.de
Internet: http://www.dgb-bildungswerk-bayern.de/de/muenchenprogramm.php
Sitz des Vereins: 80336 Muenchen, Vereinsregister Muenchen: VR 8524,
Vorstandsvorsitzender: Werner Loose
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http://www.geschichte-bayerns.de/
Redaktion:
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