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Geschichte Bayerns


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[GBay] Projekt: "Endstation Vernichtung"



Betreff:     AW: Wtrlt: Projekt "Endstation Vernichtung"
Datum:     Wed, 17 Jun 2009 07:49:03 +0200
Von:     Alexander Klier <Alexander.Klier_AT_bildungswerk-bayern.de>
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Endstation Vernichtung

Diensteifer und Pflichterfuellung bei der Reichsbahn in Muenchen 1933 – 1945


Ausstellungen und Veranstaltungsprogramm
vom 19. Juni - 31. Juli 2009


Vorwort des Schirmherrn


Sehr geehrte Damen und Herren!

Als Ende April diesen Jahres der "Zug der Erinnerung" in Muenchen einfuhr und uns die schreckliche Geschichte der Deportationen von Kindern in die Vernichtungslager vor Augen fuehrte, habe ich als Schirmherr in meiner Eroeffnungsrede auf die Luecken der Geschichtsforschung hingewiesen. Auch in Muenchen, wo seit vielen Jahren aeusserst rege ueber die NS-Zeit geforscht wird, wo inzwischen vieles ueber die Verfolgung von Muenchnerinnen und Muenchnern sowie ueber die meisten, wenn auch nicht alle Taetergruppen bekannt ist, gibt es blinde Flecken, Forschungsfelder, deren Geschichte noch zu schreiben ist. Eines davon ist die Geschichte der Deutschen Reichsbahn.

Die Bedeutung dieses Massenverkehrsmittels und Guetertransporteurs fuer das Funktionieren und die Stabilisierung des NS-Unrechtssystems ist nun in der Ausstellung "Endstation Vernichtung – Diensteifer und Pflichterfuellung bei der Reichsbahn in Muenchen 1933 – 1945", die vom 19. Juni bis 31. Juli 2009 zu sehen sein wird, untersucht und sichtbar gemacht worden.

Als Schirmherr auch dieses Projekts will ich Sie auf die Ausstellung und das umfangreiche Begleitprogramm mit Zeitzeugenberichten, Filmen, Fuehrungen und Vortraegen aufmerksam machen.

Auch die Reichsbahn wurde in den fruehen 30er Jahren "gleichgeschaltet". Missliebige Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten wurden entlassen, Mitarbeiter juedischer Herkunft wurden nach und nach ihrer Posten enthoben. Es gab Widerstand bei den Reichsbahnern, zum Beispiel durch die sozialdemokratischen "Roten Rebellen" um Franz Faltner, aber insgesamt und vergleichsweise fand er zu wenig Unterstuetzung. Filme und Fotos erinnern noch an die mit Hakenkreuzfahnen und NS-Parolen geschmueckten Bahnhoefe und Zuege, die Tausende von begeisterten Menschen zu den Reichsparteitagen brachten; sie erinnern an die propagandawirksamen Sonderfahrtprogramme von "Kraft durch Freude"; sie erinnern aber auch an die Massenbefoerderungen ganz anderer Art ab 1939.

Wirtschafts- und militaerstrategische Transporte groessten Ausmasses und die gesamte Kriegsmaschinerie waeren ohne die willfaehrigen Dienste der Reichsbahn undenkbar. Die grausamsten Kapitel der Geschichte der Reichsbahn begannen ab 1939. Es gab aus KZ-Haeftlingen zusammengestellte SS-Eisenbahnbaubrigaden, die in einem "KZ auf Schienen" hausen mussten und von der SS, aber auch von Reichsbahnern bewacht wurden; es gab die Verschleppung von 120.000 Zwangsarbeitern aus den oestlichen Gebieten zum Arbeitseinsatz im Grossraum Muenchen. Diese Aktionen erfolgten in den gleichen Zuegen, die auf der Hinfahrt – mit betraechtlichem Profit – aus vielen europaeischen Nachbarlaendern und alleine aus Muenchen rund 3.000 juedische Muenchnerinnen und Muenchner, Kinder, Frauen und Maenner in die Todeslager verbracht hatten. Auch zahlreiche Sinti und Roma wurden aus ganz Europa in die Vernichtungslager per Bahn deportiert. Und gegen Ende des Krieges, als die sowjetischen Befreier nahten, wurden die Gefangenen der oestlich gelegenen Arbeits- und Todeslager in oft wochenlang dauernden Fahrten ohne Verpflegung in eisiger Kaelte in die frontfernen Konzentrationslager verfrachtet. Die meisten starben.

Ohne die anpassungsbereiten Akteure, ohne die dienstbare Buerokratie, ohne eine Vielzahl von Dienststellen und Mitarbeitern der Reichsbahn auch in Muenchen haette der systematische Mord an den europaeischen Juden und anderen Verfolgtengruppen nicht ausgefuehrt werden koennen. Die Opfer in unserer Stadt, von denen nur einige wenige ueberlebt haben, verdienen einen wuerdigen Umgang mit der Vergangenheit. Muenchnerinnen und Muenchner koennen in diesen sechs Wochen vom 19. Juni bis 31. Juli 2009 und darueber hinaus die historische Verantwortung der Deutschen Bahn AG kennenlernen und sich mit den lokalhistorischen Fakten auseinandersetzen.


Christian Ude
Oberbuergermeister der Landeshauptstadt Muenchen


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Die Themenschwerpunkte


1. Die Reichsbahn in Muenchen: Mobilitaet und Infrastruktur

In den 1930er Jahren war die Bahn das Universaltransportmittel fuer den Individual- und Gueterverkehr. Muenchen hatte sich zum bedeutendsten sueddeutschen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Fuer den Wirtschaftsstandort Muenchen besass die Bahn erhebliche Bedeutung, da sie neben dem Betrieb der grossen Ausbesserungswerke in Freimann und Aubing eine beschaeftigungsintensive Zulieferindustrie mit Auftraegen versorgte. Dafuer stehen Unternehmen wie die Lokomotivenfabrik Krauss-Maffei oder die Sueddeutsche Bremsen AG. Die Zentralfunktion Muenchens fuer den Bahnverkehr spiegelt sich zudem in einer weitlaeufigen Buerokratie, zu der neben der Reichsbahndirektion Muenchen auch das Reichsbahn-Zentralamt, die Generalbetriebsleitung Sued und die Reichsbahnbaudirektion Muenchen gehoerten.


2. Der Bahnverkehr im Machtkalkuel des NS

Ausgehend von den Muenchner Gegebenheiten als sueddeutschem Verkehrsknotenpunkt und ueberregionaler Verwaltungszentrale stellt sich die Frage nach der funktionalen und strategischen Bedeutung des Transportdienstleisters Bahn im nationalsozialistischen Machtgefuege. Im Blickpunkt stehen hier die Mechanismen von Gleichschaltung und Anpassung sowie die Instrumentalisierung von Bahninfrastruktur fuer die NS-Herrschaftsziele. Ueber die gelungene Verbindung ihres traditionellen Wertekanons – Pflichterfuellung, Praezision, Disziplin – mit nationalsozialistischer Ideologie wird die Bahn zum aktiven Teilhaber der aggressiven Expansionspolitik und damit auch eines moerderischen Rassismus. Ohne die Verkehrs- und Verwaltungslogistik der Reichsbahn waere der nationalsozialistische Eroberungskrieg undurchfuehrbar gewesen.


3. Zwischen Anpassung und Widerstand – die Reichsbahner-Milieus

Die Alltags- und Arbeitswelt der Muenchner Reichsbahner ist bislang erst unzureichend ausgeleuchtet. Die Ausstellung unternimmt einen ersten Versuch, das Verhaltensspektrum der Reichsbahner zwischen Anpassung und Widerstand zu konkretisieren und exemplarisch darzustellen. Die kleinraeumliche Lebenswelt in relativ geschlossenen Milieus, die Eisenbahnersiedlungen, die speziellen Freizeit- und Kulturangebote und nicht zuletzt die politische Orientierung an traditionell eher linken Einstellungen deuten zwar auf eine geringe Anpassungsbereitschaft an den Nationalsozialismus hin. Allerdings sind von Seiten der Reichsbahner nur wenige widerstaendige Aktionen ueberliefert. Mit betraechtlichem propagandistischen Aufwand wurden die Beschaeftigten der Bahn auf das Regime eingeschworen. Nicht alle waren deshalb ueberzeugte Nationalsozialisten. So zeigt sich auch unter den Reichsbahnern ein breites Spektrum unterschiedlicher Verhaltensweisen: Von Anpassung und Begeisterung bis hin zu Verweigerung und Widerstand.


4. Die Reichsbahn und die Logistik der Vernichtung

Der geraeusch- und reibungslose Vollzug der Massenvernichtung der europaeischen Juden, die zahllosen Todesfahrten in die Konzentrations- und Vernichtungslager sind ohne die willfaehrige Beteiligung der Reichsbahn und ihrer Mitarbeiter nicht denkbar. Ausgehend von der Situation in Muenchen werden Entscheidungstraeger und Vollzugsorgane der Logistik des Todes benannt, Transportstrukturen veranschaulicht und die Schicksale von Opfern rekonstruiert. Das Wissen der lokalen bzw. regionalen Entscheidungstraeger um die todbringende Bestimmung der Transporte steht dabei ausser Frage. Die Deportation der Juden auf der Schiene war eine Vorbedingung fuer die mit buerokratischer Perfidie vollzogene Auspluenderung ihres Vermoegens.


5. Die Reichsbahn als Arbeitgeber, Transportressource und Profiteur des NS-Regimes

Die Reichsbahn war nicht nur Exekutionsorgan des nationalsozialistischen Expansionsstrebens und der Massenvernichtung, sondern auch aktiver Nutzniesser und Profiteur des NS-Systems. Ueber den Einsatz ziviler auslaendischer Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Haeftlinge beteiligte sich die Bahn am Programm der Ausbeutung unzaehliger unfreier Arbeitskraefte. Durch den Transport von Soldaten und Kriegsgeraet, aber auch durch die massenhafte Verschiebung von Guetern aus den besetzten europaeischen Laendern ins Reichsgebiet (darunter auch Vermoegenswerte aus "arisiertem" Eigentum) leistete die Reichsbahn einen entscheidenden volkswirtschaftlichen Beitrag und trug dazu bei, das nationalsozialistische Regime zu stabilisieren.


6. Schwieriger Blick zurueck? Die Bahn AG und der Umgang mit der Geschichte

Die Bereitschaft der Deutschen Bahn AG zu einer umfassenden und konstruktiven Beschaeftigung mit der eigenen historischen Rolle ist nach wie vor unzureichend. Die Haltung der deutschen Wirtschaft zum Umgang mit der NS-Geschichte und dem eigenen Anteil daran hat sich seit Ende der 1990er Jahre veraendert. Im Gegensatz dazu zeigt die Unternehmensspitze der Bahn immer wieder eine fragwuerdige und irritierende Verweigerungshaltung. Die Ausstellung macht in diesem Zusammenhang deutlich: Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, dem sich auch die Deutsche Bahn AG vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte zu stellen hat.


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Die Ausstellung


Die Ausstellungsorte

DGB Haus, Foyer und Tagungstrakt
Schwanthalerstr. 64
80336 Muenchen

Ein Teil der Ausstellung wird mit dem DGB Haus an einer Oertlichkeit praesentiert, die einen mittelbaren Themenbezug besitzt. Ludwig Koch, der bei der Reichsbahn eine Lehre als Schlosser absolvierte und sehr bald in den Widerstand ging, war von 1946 an Jugendsekretaer und von 1953 - 1973 Kreisvorsitzender des DGB. Er praegte durch sein Wirken die Gewerkschaftsarbeit in Bayern und Muenchen in hohem Mass. Ludwig Koch zu Ehren wird die Ausstellung an dieser Lokalitaet stattfinden.


Hackerbruecke
Grasserstrasse
Muenchen

Die Ausstellung auf der Hackerbruecke - konzipiert als Freiluft-Ausstellung am historischen Ort - zeigt die thematische Breite des Projekts "Reichsbahn und Nationalsozialismus". In unmittelbarer Nachbarschaft der Hackerbruecke befanden sich der "Milchladehof" und die "Eilguthalle". Von diesen inzwischen in Vergessenheit geratenen Orten wurden zahlreiche juedische Muenchnerinnen und Muenchnern nach Theresienstadt deportiert.



Der Ausstellungszeitraum: 19. Juni 2009 – 31. Juli 2009

Oeffnungszeiten: Montag – Freitag von 10.00 Uhr – 19.00 Uhr,
Samstag von 10:00 Uhr – 13:00 Uhr.



Um ein breites Spektrum von Zielgruppen zu erreichen, werden neben traditionellen Medien wie Plakaten und Flyern moderne Medien (Internet, Webcam) sowie eine Kunstinstallation (Graffiti) eingesetzt. Damit soll eine moeglichst weitreichende Praesenz des Projekts in der Stadtgesellschaft erreicht werden. Wichtig ist den Traegern der Ausstellung vor allem auch Jugendliche anzusprechen.


Weitere Informationen zum umfangreichen Rahmenprogramm (u.a. Fuehrungen, Filmreihe, Zeitzeugengespraeche, Vortraege) erhalten Sie ueber die Internetpraesenz des Projekts:

www.endstation-vernichtung.de


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Die Kooperationspartner

Schirmherr: Oberbuergermeister Christian Ude


Arbeit und Leben Muenchen

DGB-Bildungswerk Bayern

Gegen Vergessen – Fuer Demokratie e.V.
Regionale Arbeitsgruppe Muenchen

Kreisjugendring Muenchen-Stadt

Memento e.V.

Muenchner Volkshochschule

SJD- Die Falken Landesverband Bayern

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN/BdA


Mit Unterstuetzung des Kulturreferats der Landeshauptstadt Muenchen, des Stadtarchivs Muenchen und der Muenchner Stadtbibliothek sowie der Petra-Kelly-Stiftung und des BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Finanziell gefoerdert durch:

-    Stiftung der Stadtsparkasse Muenchen
-    NS Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelaende Nuernberg

Mit freundlichen Gruessen


Alexander Klier

Dr. Alexander Klier
DGB Bildungswerk Muenchen
Schwanthalerstr. 64
80336 Muenchen

Tel.: 089 / 55933641
Mobil: 0171 / 3605186
Fax: 089 / 5380494

E-Mail: alexander.klier_AT_bildungswerk-bayern.de
Internet: http://www.dgb-bildungswerk-bayern.de/de/muenchenprogramm.php

Sitz des Vereins: 80336 Muenchen, Vereinsregister Muenchen: VR 8524, Vorstandsvorsitzender: Werner Loose



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       E-Mail-Forum "Geschichte Bayerns"
       http://www.geschichte-bayerns.de/

                  Redaktion:
        redaktion_AT_geschichte-bayerns.de
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