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Geschichte Bayerns
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[GBay] Tagungsbericht: Die Aussenbeziehungen Schwabens in Mittelalter und Neuzeit
- To: Mailingliste GBay <geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de>
- Subject: [GBay] Tagungsbericht: Die Aussenbeziehungen Schwabens in Mittelalter und Neuzeit
- From: "Geschichte Bayerns (Dr. Thomas Paringer)" <T.Paringer_AT_kbl.badw-muenchen.de>
- Date: Wed, 19 Dec 2007 20:59:20 +0100
- Reply-to: geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de
- Sender: owner-geschichte-bayerns_AT_lists.lrz-muenchen.de
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Betreff: Tagungsbericht: Die Aussenbeziehungen Schwabens in Mittelalter
und Neuzeit
Datum: Wed, 19 Dec 2007 12:30:00 +0100
Von: "Andreas Otto Weber" <Andreas.Otto.Weber_AT_gesch.phil.uni-erlangen.de>
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Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte beachten Sie den folgenden Tagungsbericht.
mit freundlichen Gruessen
Dr. Andreas Otto Weber M.A.
wissenschaftlicher Assistent - Kreisheimatpfleger des Landkreises
Forchheim
Lehrstuhl fuer Bayerische und Fraenkische Landesgeschichte
Institut fuer Geschichte
Friedrich-Alexander-Universitaet Erlangen-Nuernberg
Kochstr. 4/BK13
91054 Erlangen
Deutschland
Tel. (0049) 09131-8522078 (direkt), 09131-8522367 (Sekr.)
Tagungsbericht
Grenzueberschreitungen: Die Aussenbeziehungen Schwabens in
Mittelalter und Neuzeit
Unter dem Titel Grenzueberschreitungen: Die Aussenbeziehungen
Schwabens in Mittelalter und Neuzeit fand vom 22.-24. November
2004 in der ehemaligen reichsunmittelbaren Benediktinerabtei Irsee ein
Symposion des Historischen Vereins fuer Schwaben statt, dessen
Ergebnisse 2008 als 100. Band der Zeitschrift des Historischen
Vereins fuer Schwaben erscheinen sollen. Die Tagung stand unter der
Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Wuest, dem Ersten Vorsitzenden des
Historischen Vereins fuer Schwaben und Ordinarius fuer Bayerische
und Fraenkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-
Universitaet Erlangen-Nuernberg. Mitveranstalter waren die
Schwaben-Akademie in Irsee, das Zentralinstitut fuer
Regionalforschung der Universitaet Erlangen-Nuernberg, der
Interdisziplinaere Arbeitskreis Kurmainz und der Erzkanzler des
Reiches an der Universitaet Mainz, vertreten durch HD. Dr. Ludolf
Pelizaeus sowie die Gesellschaft Oberschwaben.
Ziel der Tagung war es die Region Schwaben in den Grenzen des
mittelalterlichen Herzogtums und des fruehmodernen Reichskreises,
dem sich letztlich auch noch das zu Beginn des 19. Jahrhunderts
kuenstlich geschaffene und klein geratene Bayerische Schwaben
gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich verpflichtet fuehlte, einmal
nicht von Innen, sondern von Aussen zu betrachten und die
Aussenbeziehungen in Mittelalter und Neuzeit in breiter zeitlicher und
raeumlicher Perspektive zu analysieren. Uebergreifende Aspekte
waren hierbei: Staedtische, territoriale, gerichtliche und biographische
Kontakte - Bilaterale Beziehungen und Regionen und Institutionen im
Austausch - Multilaterale Netzwerke.
Im ersten Tagungsabschnitt "Nachbarschaft und Fremdes"
beschaeftigte sich zunaechst Prof. Dr. Franz Quarthal (Stuttgart) mit
dem Thema Schwaebische Selbstbeleuchtung und fremde Augen. Die
Begegnung der Schwaben mit den Fremden. Ausgehend von einer
Charaktersierung der Schwaben des 12. Jahrhunderts - Suevi non sunt
nati sed seminati - verfolgte er die Klischees ueber den "lustigen und
leichtfertigen" Stamm im Sueden des Reiches bis zur
Schwabenbegeisterung und Stauferromantik, die man mit den
Literaten Friedrich Schiller, Ludwig Uhland und Gustav Schwab
verbinden. In der Beurteilung des 18. Jahrhunderts kam es
konfessionell bedingt zu einer Herausnahme der Wuerttemberger aus
der im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts entstandenen
Schwabenkritik. Dem eher positiv konnotierten "ernsten"
Wuerttemberger standen in einer kritischen Aussensichtdie
"leichtfertigen und dummen Oberschwaben" gegenueber.
Prof. Dr. Wolfgang E.J. Weber (Augsburg) unternahm unter dem
Titel Die moderne Theorie der Aussenpolitik im fruehneuzeitlichen
Schwaben: ein Rekonstruktionsversuch eine Analyse der Aussenpolitik
schwaebischer Reichsfuersten des 16. und 17. Jahrhunderts und
untersuchte dabei den Einfluss Macchiavellis auf Schwaben. Er zeigte,
dass sich das macchiavellische Programm des taktischen und
silmulierenden Politikers immer weiter in die juristischen
Handlungsschemen der Legaten und Gesandten in der Aussenpolitik
Schwabens hineinschob. Zeichen dafuer ist die Flexibilisierung der
Buendnis- und Vertragstreue, wenn es den Interessen des Staates
diente, ferner waren es die Anweisungen zur Simulation bestimmter
Szenarien in Gesandteninstruktionen, oder der Nachweis
macchiavellistischer wie antimacchiavellistischer Literatur in den
hoefischen Bibliothekskatalogen. Gleichzeitig wurde aber auch
deutlich, dass angesichts der kleinteiligen Herrschaftsverhaeltnisse
Schwabens staatliche Strategien nach Macchiavelli kaum verfolgt
werden konnten.
Dr. Bettina Braun (Mainz) naeherte sich mit dem Thema
'Sauschwaben und Kuhschweizer´ oder friedliche Nachbarn? Die
Schweiz und ihre noerdlichen Nachbarn in der Fruehen Neuzeit
zwischen Kooperation und Abgrenzung in Form einer Fallstudie der
Grenzsituation. Dabei ermittelte sie einen Frieden durch Distanz, der
jedoch auch eine Verfestigung der politischen Grenze zur Folge hatte.
Man konzentrierte sich auf seinen Bereich, was jedoch einen
Austausch in konkreten Situationen nicht ausschloss. Beispielsweise
bediente man sich ueber die Grenzen hinweg gern Schweitzer
Soeldnern.
Dr. Andreas Otto Weber (Erlangen) zeigte unter dem Titel Kleine
Aussenpolitik - Nachbarschaftskonflikte und ihre
Loesungsmoeglichkeiten am Beispiel der fraenkischen Hohenzollern
und anderen Reichsstaenden in Franken und Schwaben im 16.
Jahrhundert den Wandel der territorienuebergreifenden
Konfliktloesungspolitik vom ausgehenden Mittelalter hin zur
Reichsintegration des spaeteren 16. Jahrhunderts und arbeitete dabei
ein Grundmuster der fruehneuzeitlichen territorialen
Auseinandersetzung und politischen Kommunikation heraus.
In der zweiten Haelfte wurde diese durch eine Nachbarschaftspolitik in
Verknuepfung von Reich und Region gepraegt. Kaiserliche
Kommissionen und Prozesse am Reichskammergericht foerderten die
politische Kommunikation zwischen den Territorien. Dies geschah vor
dem Hintergrund einer allgemein zu beobachtenden Spezialisierung
des aussen- und nachbarschaftspolitischen Personals der Reichsstaende
im Alten Reich.
Der naechste Tagungsabschnitt hiess Schwaben in der Germania
Sacra.
Zunaechst brachte Dr. Franz Brendle (Tuebingen) einen Ueberblick
ueber Die geistlichen Reichsstaende Schwabens im System der
Germania Sacra. Er wies dabei auf zwei Grundgegebenheiten hin:
Diese waren einerseits die Abhaengigkeit vom Kaisertum, welches
durch seine Nebenresidenz Innsbruck nahe an der Region war,
andererseits der Rueckhalt und Beistand der geistlichen Reichsstaende
in den jeweiligen Reichstagskurien. Die Habsburger versuchten vor
allem die Fuerstbistuemer zu Sekundogenituren zu nutzen. Ueber die
Landvogtei nahmen sie auch Einfluss auf die Abtswahlen der
Reichspraelaturen, die eine wichtige Einnahmequelle des Kaisers
darstellten. Dennoch gelang es den zumeist aus buergerlichen und
baeuerlichen Familien stammenden Konventsmitgliedern immer wieder
Abtswahlen ohne habsburgischen Einfluss zu inszenieren.
Zwei Vortraege widmeten sich den Komplex der Besetzung von
Bischofsstuehlen im 18. Jahrhundert: Prof. Dr. Friedrich Battenberg
(Darmstadt): verdeutlichte in seinem Thema Eine persoenliche
Grenzueberschreitung: Bischof Josef von Augsburg als Landgraf von
Hessen beispielhaft den hohen Symbolwert der Augsburger
Bischofswahl von 1740 fuer das eigentlich evangelische Fuerstenhaus
Hessen-Darmstadt und zeigte gleichzeitig auf, dass die Aspekte der
Konfession in der Endphase des Alten Reichs nur noch eine
untergeordnete Rolle spielten. Familie und Machterhalt waren die
zentralen Anliegen der Dynastie.
Im Zentrum des Beitrags von Prof. Dr. Manfred Weitlauff
(Muenchen) ueber Die Augsburger Bischofswahl von 1740 im
Zeichen des oesterreichisch-bayerischen Gegensatzes stand ebenfalls
eine dynastische Hochstiftspolitik. Er verfolgte die letztlich nicht
gluecklichen Versuche des Kurfuersten Max Emanuel, seinen Sohn
Johann Theodor (Bruder des Clemens August und Bischof von
Regensburg und Freising) als Fuerstbischof von Augsburg zu
positionieren. Dabei wurden die Sondierungen bei Augsburger
Domherren und beim Reichvizekanzler ebenso transparent wie die im
Geheimen verlaufenden erfolgreichen kaiserlichen Gegenaktionen.
Prof. Dr. Alois Schmid (Muenchen) beleuchtete die Hintergruende der
Verehrung St. Ulrichs in der Oberpfalz. Die dortigen
Ulrichspatrozinien fanden in der Forschung bisher kaum Beachtung. In
erster Linie werden hier die Dippoldinger mit der Ulrichsverehrung im
oberpfaelzischen Raum in Verbindung gebracht, deren Ministeriale
liessen wiederholt Burgkapellen zu Ehren des Heiligen Ulrichs weihen.
Im zweiten Teil des Vortrages widmete sich Alois Schmid der
Regensburger Dompfarrkirche, die er wegen ihrer ungewoehnlichen
Bauform und der Lage neben dem Dom als wittelsbachische
Pfalzkirche siehtinterpretierte. Noch vor dem Einsetzen der
urkundlichen Ueberlieferung sei es durch die herrschaftliche
Entwicklung zu einer Funktionsveraenderung, die auch das
Ulrichspatrozinium erklaere, gekommen.
Im Anschluss behandelte Dr. Elmar L. Kuhn (Salem) das Thema Die
Beziehungen der schwaebischen Ordensprovinz der Pauliner nach
Ostmitteleuropa (Oesterreich, Ungarn, Kroatien, Polen). Die grosse
Distanz des Generalpriors zu den schwaebischen Niederlassungen
fuehrte zu Problemen bei der Kommunikation. So hielten sich die
schwaebischen Pauliner nicht an die Anordnung der Ordensleitung,
vielmehr wollten sie sich in ihre schwaebische Umgebung integrieren,
wobei sie jedoch ihre Zugehoerigkeit zum Pauliner-Orden nicht in
Frage stellten. Der aelteste in Osteuropa gegruendete Orden der
katholischen Kirche, war also nicht durch interne Konflikte, sondern
durch externe Faktoren gefaehrdet, welche die Ordensleitung in ihrer
Autoritaet schwaechte.
HD Dr. Ludolf Pelizaeus (Mainz)wendete in seinem Beitrag
Frankreich, der Erzkanzler und Schwaben: Raumkonzepte vom
Rheinbund (1658) zum Rheinbund (1806) den Blick nach Westen. Er
betonte die wechselnde strategische Bedeutung des schwaebischen
Raumes fuer Frankreich und die sich daraus fuer den in beiden Faellen
mit Paris verbuendeten Erzkanzler ergebenden Bindungen. Waehrend
Schwaben im Rheinbund von 1658 im Gesamtkonzept beider
Protagonisten keine herausragende Rolle aufgrund des Fernbleiben
Bayerns spielte, aenderte sich dies im Verlauf des 18. Jahrhunderts
und kulminierte in einer Reihe von vorgestellten Reichsplaenen, die im
Rahmen einer geplanten Neuordnung Deutschlands gerade auch
Schwaben betreffen sollten. Allerdings wurde nun durch die
territoriale Verschiebung fuer Frankreich neben Schwaben auch
Westfalen in veraenderter Weise wichtig.
Am Vormittag des zweiten Tages wurde in zwei Sektionen das Thema
des Kunst- und kulturtransfers behandelt. Zunaechst sprach Dr.
Helmut Gier (Augsburg) ueber: Augsburg - Muenchen: Kultureller
Austausch, Braindrain oder Symbiose im 16. und fruehen 17.
Jahrhunder". Dabei wurde von ihm die Abhaengigkeit der bayerischen
Herzoege Albrecht IV. und Wilhelm V. vom Kunstschaffen Augsburgs
und die damit verbundene herausragende Rolle des Hans-Jacob Fugger
als Kulturberater und Kunstagent deutlich. Augsburg war also der
Ursprungsort fuer die Neugestaltung des Umfeldes der Muenchner
Residenz im Sinne der Renaissance und des Humanismus.
Prof. Dr.Sibylle Appuhn-Radtke (Muenchen) widmete sich mit dem
Thema Barock-Import. Zur Ausbildung schwaebischer Maler des 17.
Jahrhunderts in Mailand dem transalpinen Kulturtransfer. Am
Beispiel des Malers Johann Christoph Storer, der 1640 als
"Wirtschaftsfluechtling" aus seiner Heimatstadt Konstanz nach
Mailand uebersiedelte zeigte sie dessen Aufstieg und soziale
Verflechtung in die Milaneser Klientelsysteme durch Konnubium auf.
Hier nahm er nicht nur die aktuellen Stilentwicklungen und Techniken
auf, sondern stieg sogar in das Patriziat auf. In seiner Werkstatt
lernten auch oberdeutsche Maler ihre Kunstfertigkeit. 1662 verlegte er
die Werkstatt nach Konstanz und belieferte von hier aus die
oberdeutsche Provinz der Jesuiten mit Altarbildern. Seine Kupferstiche
diensten als wichtige Vorbilder fuer Altaere in Oberdeutschland und
Tirol.
Prof. Dr. Joerg Martin Merz (Muenster) nahm mit dem Thema Der
roemische Wanderkuenstler und der Augsburger Bankier´ - Gregorio
Guglielmis Freskoauftrag im Festsaal des Schaezlerpalais in
Augsburg ebenfalls den transalpinen Blickwinkel ein: Der in privatem
Auftrag gebaute Festsaal war fuer die oeffentliche Repraesentation des
Magistrats der Stadt von grosser Bedeutung. Der von einem
Muenchener Hofarchitekten gebaute und vom roemischen Maler
Gregorio Guglielmi mit Fresken versehene Neubau trug das
allegorische des weltumfassenden Handels von Augsburg nach aussen.
Stefan Roemmelt (Wuerzburg) stellte in seinem Beitrag See-Gaenge.
Zum Kulturtransfer zwischen Schwaben, Grossbritannien und den
USA in der Fruehen Neuzeit eine schwaebische Kolonie in Georgia in
den Mittelpunkt. In dem mit dem Ziel der Bekehrung errichteten
Emigrationsort zogen vor allem Menschen aus der Mittelschicht,
welche unter anderem als Salzarbeiter taetig waren. Mit diesem Thema
betrat der Referent weitgehend Neuland.
Den Themenkomplex Staedtekontakte, Bildungs- und
Informationsaustausch eroeffnete Prof. Dr. Anton Schindling
(Tuebingen) mit dem Beitrag Der Strassburger Schulrektor Johann
Sturm, die Schule in Lauingen und die Jesuiten in Dillingen -
Humanistische Bildungsreform an Oberrhein und oberer Donau.
Pfalzgraf Wolfgang von Pfalz-Zweibruecken hatte den Strassburger
Humanisten mit der Planung eines pfalz-neuburgischen
Landesgymnasiums in Lauingen beauftragt, welches nicht nur in
lokaler Frontstellung zur Dillinger Jesuitenakademie stehen sollte. Mit
einem klar humanistischen Programm zeigte es Vorbildfunktionen fuer
zahlreiche andere evangelische Schulen.
Mit den entfernteren urbanen Kontakten Schwabens nach Aussen
befasste sich Prof. Dr. Andreas Sohn (Paris): Sueddeutsche im
mittelalterlichen Paris. Eine historische Spurensuche. Von dem an
der Sorbonne dozierenden Mediaevisten wurden die trotz der Groesse
der Stadt Paris bisher noch weniger erforschten Kontakte zum
Herzogtum Schwaben und zum benachbarten Bayern erstmals
systematisch dargestellt. Herausragende Bedeutung besass das
deutsche Kolleg, welches besonders im 14. Jahrhundert als
Kristallisationspunkt deutschen akademischen Lebens an der Seine
eine wichtige Funktion einnahm. Einen zweiten Schwerpunkt nahmen
in seinen Ausfuehrungen die durch Isabeau de Bavière gegebenen
Beziehungen zu Bayern ein, die freilich mit dem Tod der Koenigin
schnell an Bedeutung verloren.
Prof. Dr. Wolfgang Wuest (Erlangen / Augsburg) befasste sich in
seinem Beitrag Sueddeutsche Reichsstaedte als
Informationsdrehscheibe zunaechst mit den Moeglichkeiten der
Kommunikation und der anhand der Botendienste erkennbaren
Infrastrukturen. Die Wege, der fuer verschiedene Herren taetigen
Boten, lassen sich unter anderem anhand der Briefeingangsregister
nachzeichnen. Ein zweiter Teil war den staedtischen
Aussenbeziehungen gewidmet, wie sie insbesondere bei der
gegenseitigen Hilfestellung von Informationskanaelen nachgewiesen
werden konnten. Dargelegt wurde zudem inwiefern die Quellen zur
staedtischen Kommunikation ueber die Beziehungen zum Kaiser und
zum Reich Auskuenfte geben.
Prof. Dr. Thomas Nicklas (Erlangen) stellte in seinem Vortrag mit
dem Titel "Buecher, Handel, Krieg. Schwaben in Lyon im 16.
Jahrhundert" eine der zentralen Handelsstaedte Frankreichs in den
Vordergrund. Im Rahmen des Aufstiegs als europaeische Handels-
und Bankmetropole (1470 bis 1520) waren unter den 5000 bis 6000
"fremden" Messebesuchern auch Schwaben, die hier vor allem
"totbringendes Eisen" in Form von Rohmetallen oder
Metallerzeugnissen importierten und auf dem Rueckweg Stoffe und
Gewuerze in das Gebiet des Schwaebischen Reichskreises brachten.
Organisiert war man in den so genannten Lyoner "Nationen", also
lockeren nach Herkunftsgebieten organisierten Zusammenschluessen
von Fremden.
In das Feld der Presseforschung des 19. Jahrhunderts gehoerte der
Vortrag von Dr. Paul Hoser (Muenchen) "Die Augsburger
"Allgemeine Zeitung" und ihre Rezeption bei den europaeischen
Regierungen im 19. Jahrhundert". Der Beitrag machte das
Spannungsfeld zwischen Zensur und liberaler Pressepolitik angesichts
von zum teil harschen Reaktionen von auslaendischen Diplomaten
gegenueber der Regierung Koenig Ludwig I. ueber kritische Artikel
der Zeitung deutlich.
Zwei Vortraege standen unter dem Motto Schwaben, Habsburg und
das Reich. Zunaechst untersuchte PD Dr. Peter Rauscher (Wien)
Schwaben als Schnittstelle zwischen Kaiser und Reich. Einem
Ueberblick ueber die Reichsorgane, die ihren Sitz in Schwaben hatten
(1500/1502: Reichskammergericht in Augsburg,
Reichspfennigmeister) folgte eine Analyse der personellen
Beziehungen, wobei vor allem die wichtige Rolle schwaebischer
Beamter fuer die Reichsfinanzen deutlich wurde. Auch die fuehrende
Rolle der Fugger als Finanziers der Koenigswahl Ferdinands I. wurde
anschaulich gemacht.
Danach betrachtete David Petry, M.A. (Erlangen/Augsburg) Die
Beziehungen der schwaebischen Reichsstaedte zum Reichshofrat im
18. Jahrhundert. Dabei wurde einerseits der umfangreiche
Nachrichtenaustausch zwischen schwaebischen und fraenkischen
Reichsstaedten deutlich, andererseits charakterisierte er die
Reichshofratsagenten als Lobbyisten und Informanten und als Mittler
zwischen Reich und Region. Bemerkenswert fuer die
Reichswahrnehmung erschien die von Reichsstaedten gegenueber dem
Reichshofrat verwendete Selbstbezeichnung "Reichsbuerger"
Am dritten und letzten Tag widmete man sich dann den Themen
Wirtschaft, Militaer-, Handels- und Finanzwelt. Zu Beginn sprach
Prof. Dr. Frank Goettmann (Paderborn) ueber Grenzueberschreitung
vor dem Reichskammergericht im 16. Jahrhundert. Ein Prozess
zwischen St. Galler und Konstanzer Kaufleuten. Den Hintergrund
bildete ein Streit um Schulden zwischen der St. Galler Handelsfirma
Rueger und der Memminger Grimmelgesellschaft, in dessen Verlauf es
zu Konfiszierungen und Zwangsversteigerungen gekommen war, also
auch zu Angriffen auf die Kaufmannsehre und Geschaeftsfaehigeit der
St. Galler Firmen.
Ebenfalls mit dem Thema der Handelsunternehmen, jedoch im
Spaetmittelalter, beschaeftigte sich Marco Veronesi, M.A.
(Tuebingen): Im Zentrum seines Beitrags ueber Handelsbeziehungen
zwischen Oberdeutschland und Genua im 15. Jahrhundert:
Staedtisches Netzwerk oder Monopol? stand die Ravensburger
Handelsgesellschaft und ihre Niederlassung in Genua. Durch einen
Zusammenschluss der Ravensburger Handelsgesellschaft im
Italienhandel gelang es dieser, zeitweise eine monopolistische Position
zu erreichen und zu einem dominierenden Faktor fuer den transalpinen
Warenaustausch zu werden
Im Beitrag "Die Aussenbeziehungen der Reichsstadt Kempten im
Spiegel ihres Fernhandels" zeichnete Dr. Franz Rasso Boeck
(Kempten) das Bild eines regionalen Leinenproduktions- und
Handelszentrums, welches in Konkurrenz zu St. Gallen stand.
Kemptner Handelsgesellschaften waren schon um 1300 im Tiroler
Handel taetig, unter anderem wurde das Salz aus der Saline Hall ueber
Kempten nach Oberdeutschland vermittelt. Doch gelang es der Stadt
nie, sich aus dem Schatten des Bischofs zu loesen und eine aehnliche
Bedeutung wie Memmingen in handelspolitischer Hinsicht zu erlangen.
Zum Abschluss der Tagung referierte dann Coralie Zermatten
M.A.(Dresden) ueber "Die internationalen Beziehungen des
Karthaeuserordens im Mittelalter". Dabei wurden sowohl die
Ausbreitung des Ordens ueber Sueddeutschland zwischen 1300 und
1450 thematisiert wie die Kommunikation der Ordensprovinzen
untereinander, die vor allem zur Zeit des Schismas in zwei Lager
geteilt waren.
Zusammenfassend laesst sich sagen, dass das Symposion einen
wichtigen Beitrag zur interterritorialen, zwischenmenschlichen bzw.
zur staedte- und regionenbezogenen Kommunikation brachte, die auch
in Mittelalter und Fruehmoderne als "Aussenpolitik" gelten darf,
obwohl die Souveraenitaetsstrukturen des Nationalzeitalters noch
fehlten. Anhand der Nachbarschafts- und Aussenbeziehungen einer
historisch gewachsenen deutschen Region zeigte sich, dass diese zu
keinem Zeitpunkt so abgeschieden gewesen war als dass sich nicht
taeglich Fremdes und Vertrautes in oekonomischer, kultureller,
sozialer oder politischer Sicht vermischt haetten. Durch das
Tagungskonzept konnte die wichtige Debatte um den
grenzueberschreitenden Ideen-, Wissens-, Kultur- und
Gueteraustausch (aktuelles Thema "Kultureller Austausch in der
Fruehen Neuzeit") aufgegriffen werden, jedoch dehnte man die
Perspektive zur longue durée. Das Bezugsfeld war die Schwaben,
doch wurde die Region als Dreh- und Angelpunkt verstanden. Im
Regionenvergleich entgrenzten die Referenten gleichsam die
Strukturen, wodurch sich sehr innovative Dimensionen ergaben.
Annett Haberlah-Pohl, Ludolf Pelizaeus und Andreas Otto Weber
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