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Neuerscheinungen zu Rothenburg ob der Tauber



From: "Stadtarchiv Rothenburg" <stadtarchiv@rothenburg.de>
To: <redaktion@geschichte-bayerns.de>
Subject: Neuerscheinungen Rothenburg
Date: Tue, 6 May 2003 10:57:53 +0200
Organization: Stadt Rothenburg ob der Tauber
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Sehr geehrte Damen und Herrn,

anliegend finden Sie kurze Hinweise zu vier 
Neuerscheinungen ueber Rothenburg ob der Tauber und sein 
Umland.

Mit freundlichem Gruss

Karl Borchardt


Neuerscheinungen / Neuerwerbungen zur Geschichte von Rothenburg ob 
der Tauber

Karl Borchardt, Stadtarchiv Rothenburg

1) Alison Rowlands, Witchcraft narratives in Germany: Rothenburg, 
1561-1652 (Manchester ¯ New York: Manchester University Press, 
2003), 248 Seiten.

Die Dissertation basiert auf den Akten zu 28 fruehneuzeitlichen 
Hexereiverfahren in der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber, welche 
von 1549 bis 1709 insgesamt 65 Personen betrafen, von denen drei 
hingerichtet wurden, darunter zwei zugleich wegen anderer Verbrechen 
(Kindstoetung, Vergiftung); lediglich die psychisch instabile Anna 
Margarethe Rohn, die sich selbst bezichtigte, wurde 1673 allein 
aufgrund des Hexereivorwurfs exekutiert. Die beiden ersten Kapitel 
belegen die auffaellige Zurueckhaltung des Rates bei der Verfolgung der 
Hexerei. Die staedtische Fuehrungsschicht hielt das Verbrechen fuer 
schwer beweisbar, sah in den Vorwuerfen meist nur Verleumdungen und 
bedrohte diese ihrerseits mit Strafen. Anders als die fraenkischen 
Bischoefe hatte es der protestantische Rat offenbar nicht noetig, sich 
durch Hexenverfolgung als treusorgende, effiziente Obrigkeit zu 
profilieren. Die Spannungen, welche 1525 zum Bauern- und 
Handwerkeraufstand in Rothenburg gefuehrt hatten, waren anscheinend 
durch die Einfuehrung der Reformation 1544 weitgehend entschaerft. 
Das dritte Kapitel behandelt den sechsjaehrigen Hans Gackstatt aus 
Hilgartshausen, der sich 1587 selbst der Hexerei bezichtigte. Die 
naechsten beiden Abschnitte widmen sich den Faellen aus der Zeit des 
Dreissigjaehrigen Krieges, der auch in Rothenburg einen Hoehepunkt 
sozialer und religioeser Verunsicherung brachte, welche sich in 
vermehrten Hexereiverfahren niederschlug. Das letzte Kapitel schildert 
anschaulich, wie geschickt und erfolgreich sich 1652 die sechzigjaehrige 
Margarethe Horn aus Bettenfeld gegen den Vorwurf verteidigte, einen 
Fliegenschwarm durch Hexerei gegen ihren Nachbarn Leonhard 
Gackstatt gelenkt zu haben. Aufgrund genauer Quellenarbeit entwickelt 
die Arbeit neue Einsichten, welche anhand der Vorgaenge in Rothenburg 
manche in der bisherigen Forschung uebliche Verallgemeinerung in 
Frage stellen. Damit wird ein grundsaetzlicher Beitrag zu einem 
komplexen Thema geleistet, der weit ueber die Lokal- und 
Landesgeschichte hinaus Beachtung verdient.


2) Helmut Riedel, Festschrift zum 100-jaehrigen Bestehen der Sektion 
Rothenburg o.d.T. des Deutschen Alpenvereins (Rothenburg, 2003), 77 
Seiten und zahlreiche Abbildungen; ders., Chronik zum 100-jaehrigen 
Bestehen der Sektion Rothenburg o.d.T. des Deutschen Alpenvereins 
(Rothenburg, 2003), 78 Seiten und zahlreiche Abbildungen.

Die beiden Baendchen dokumentieren knapp, aber mit zahlreichen Fotos 
die Aktivitaeten der 1903 begruendeten, 1945 aufgehobenen, 1956 
wiederbegruendeten Sektion Rothenburg des Deutschen Alpenvereins, 
Fahrten, Training, Jugendarbeit, Faschingsvergnuegen, usw. Erster 
Vorsitzender war bis zu seinem Tod 1933 der auch als Lokalhistoriker 
hervorgetretene August Schnizlein. Sie gaben Einblicke und 
Aufschluesse zum gesellschaftlich-geselligen Leben in Rothenburg ob 
der Tauber waehrend des 20. Jahrhunderts und machen deutlich, dass es 
ausser Fremdenverkehr, Tourismus und Denkmalpflege auch andere 
Themen in der Stadt gab und gibt. 


3) Erwin Keitel, Hagenau: Geschichte des Dorfes (Hagenau 2000), 222 
Seiten, zahlreiche, teils farbige Abbildungen.

Anlaesslich des Gedenkens an die schriftliche Ersterwaehnung 
zahlreicher Orte zwischen Burgbernheim, Leutershausen und 
Schillingsfuerst in einer Urkunde Kaiser Ottos III. aus dem Jahre 1000 
erschein eine Chronik des Dorfes Hagenau, das zusammen mit Traisdorf 
damals an der Grenze eines dem Bischof von Wuerzburg geschenkten 
Forstbezirks lag. Kirchlich gehoerte Hagenau zur Pfarrei Leutershausen, 
bis es mit Gastenfelden 1369 separiert wurde und im 15. Jahrhundert 
eine eigene Kirche St. Marien erhielt. Herrschaftlich-politisch zaehlte 
Hagenau zum Amt Leutershausen der Burggrafen von Nuernberg 
respektive Markgrafen von Brandenburg zu Ansbach, doch waren in 
dem Dorf auch Niederadelige beguetert (Bernheim, Gailing). Im 
Zentrum der Publikation stehen die Geschehnisse der letzten 200 Jahre: 
die Grenzpurifikation zwischen Ansbach und Schillingsfuerst 1798, die 
Formierung der politischen Gemeinde im Koenigreich Bayern, der 
Zweite Weltkrieg (mit Abdruck von Feldpostbriefen), die 
Flurbereinigung. Eindrucksvoll sind die Fotos, welche den Wandel des 
Landlebens im 20. Jahrhundert illustrieren.


4) Helmut Barthelmess, Geschichte und Geschichten aus Oestheim und 
Umgebung (Oestheim 2001), 287 Seiten und zahlreiche Abbildungen.

Die aeltere Geschichte der Zwillingsdoerfer Unter- und Oberoestheim 
mit ihren Bezuegen zur Reichsstadt Rothenburg, zu Hohenlohe-
Schillingsfuerst und zum markgraeflichen Kloster Sulz wird nur kurz 
gestreift. Selbst das 19. Jahrhundert mit dem Neubau der Pfarrkirche in 
den 30er Jahren und das Kaiserreich dem Eisenbahnbau von Rothenburg 
nach Dombuehl werden eher kurz und aufgrund bekannter 
Sekundaerliteratur dargestellt. Um so ausfuehrlicher werden die 
Ereignisse des 20. Jahrhunderts geschildert, vielfach aufgrund 
unveroeffentlichter amtlicher oder privater Aufzeichnungen und 
intensiver Befragungen von Zeitzeugen. Der Bogen spannt sich von 
Ersten Weltkrieg ueber die Inflation zum Nationalsozialismus, zu den 
Kaempfen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs 1945 bis zur 
Integration der Fluechtlinge und Heimatvertriebenen sowie zum 
Autobahnbau. Damit entsteht eine nuetzliche Materialsammlung, auf die 
kuenftig sicher gerne zurueckgegriffen wird.


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Buettelhaus
Milchmarkt 2
91541 Rothenburg ob der Tauber
Tel. 09861/709768
stadtarchiv@rothenburg.de
http://www.rothenburg.de
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