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Neuerscheinungen zu Rothenburg ob der Tauber



From: "Stadtarchiv Rothenburg ob der Tauber" 
<stadtarchiv@rothenburg.de>
To: <geschichte-bayerns@lists.lrz-muenchen.de>
Subject: Neuerscheinungen zu Rothenburg ob der Tauber
Date: Wed, 14 Aug 2002 09:40:15 +0200
Organization: Stadt Rothenburg ob der Tauber
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Sehr geehrte Damen und Herrn,

der Verein Alt-Rothenburg ist seit kurzem mit Informationen ueber seine 
Taetigkeiten unter http://www.alt-rothenburg.de im Internet vertreten.

Ausserdem moechte das Stadtarchiv ueber folgende drei Neuerscheinungen 
zur Geschichte von Rothenburg ob der Tauber informieren:

1) Lore Heilmann, Das Wildbad Rothenburg in frueherer Zeit (Rothenburg: 
Verlag des Vereins Alt-Rothenburg, 2001), 144 Seiten, 16 Abb.; dies., Das 
Wildbad Rothenburg: Ein Beitrag zu Bau- und Kunstgeschichte eines 
Kurbades um 1900 (Rothenburg: Selbstverlag der Autorin, 1999), 312 Seiten, 
48 Abb.


Wildbaeder zaehlten im spaeteren Mittelalter und in der fruehen Neuzeit 
ueber ihre medizinische Bedeutung hinaus zu stark frequentierten 
Brennpunkten gesellschaftlichen Lebens. Im Taubertal bei der Reichsstadt 
Rothenburg erlaubte eine schwefelhaltige Quelle die Errichtung eines 
solchen Wildbades, wahrscheinlich unter dem Buergermeister Heinrich 
Toppler, denn der Erstbeleg datiert von 1405. Als staedtischer Regiebetrieb 
von den Baumeistern aus dem Rat beaufsichtigt, wurde das Wildbad durch 
einen befristet angestellten Wildbader und Hilfspersonal betrieben. Wegen 
der grossen Besucherzahlen, die im 16. Jahrhundert der Stadt direkt 
Einnahmen zwischen 50 und 100 fl vom Wildbad erbrachten, ungeachtet die 
indirekten Einnahmen aus dem Fremdenverkehr, begann Rothenburg 1539 
einen Umbau. Weitere Investitionen machte ein Brand 1782 erforderlich. Lore 
Heilmann vergleicht aehnliche Anlagen in (Burg)Bernheim, Castell und 
Nuernberg. Beschreibung und Gutachten durch Aerzte und Chemiker wie 
Johann Fischer von Dailfingen (um 1530), Andreas Libavius (1601) oder 
Johann August Philipp Gesner (1765) werden analysiert.

Nach der Mediatisierung der Reichsstadt wurde das Wildbad 1806 von dem 
bisherigen Paechter Johann Wolfgang Kuebler fuer 3460 fl als Eigentum 
ersteigert. Der Ausbau als Tanzlokal scheiterte, so dass nach dem Tod von 
Kueblers Witwe Konkurs eintrat und die Stadt 1820 das Wildbad fuer 6022 fl 
zuruecksteigern konnten. Wiederholte Neu- und Umbauten, darunter 1840/43 
die Erweiterung des Tanzsaales, konnten nicht verhindern, dass der 
Badebetrieb in Rothenburg gegenueber Konkurrenten wie Kissingen oder 
Mergentheim ins Hintertreffen geriet. 

Deshalb verkaufte die Stadt Rothenburg 1894 das Wildbad an den 
Orthopaeden und medizinischen Grossunternehmer Friedrich Hessing (1838-
1918), 1913 geadelt, der aus Schoenbronn stammte und seiner Heimat stets 
verbunden geblieben war, obwohl das Zentrum seiner Aktivitaeten seit den 
60er Jahren in Schwaben lag (Augsburg und Goeggingen). Nach Plaenen des 
Architekten Robert Backer (1871-1952) aus Kulmbach liess Friedrich Hessing 
zwischen 1894 und 1903 ein splendides Kurhotel erbauen, dessen Formen 
von Anfang an heftig umstritten waren. Lore Heilmann beschreibt und 
wuerdigt in ihrer kunsthistorischen Dissertation (bei Prof. Bernhard 
Rupprecht, nach Anregung durch Prof. Vincent Mayr) diese Bauten 
ausfuehrlich. Es entstand ein eigenartiges Ensemble aus Kurhaus, Festsaal, 
Mittelbau Villa und Park, das man nach Architektur und Ausstattung heute 
als eine der bedeutendsten Gesamtanlagen des bayerischen Historismus 
wuerdigt. Festsaal, Gastronomie und Park wurden von der 
Stadtbevoelkerung und den Fremden durchaus angenommen, Die 
Spekulation, der Fremdenverkehr in das romantische Rothenburg wuerde 
sich mit dem Badebetrieb verbinden, ging letztlich aber nicht auf, bedingt 
wohl auch durch den Ersten Weltkrieg. Heilerfolge liessen sich nie 
zweifelsfrei belegen, und die Quellen versiegten ungeachtet aller Bohrungen, 
die Hessing vornehmen liess. Bereits 1917 verkaufte deshalb Hessing das 
Wildbad wieder, das nach mehrfachen Besitzerwechseln 1925 von dem 
Bayerischen Krankenkassen-Verband in Muenchen ersteigert und als 
Sanatorium genutzt wurde. Von 1951 bis 1976 Polizeischule, ging das 
Wildbad 1978 an das Diakoniewerk der Evangelischen Kirche in Bayern, die 
seit 1990 dort eine Tagungsstaette betreibt.

Ueber das lokalhistorische Interesse hinaus beleuchten die beiden Buecher 
einen wichtigen Aspekt der Kultur- und Alltagsgeschichte seit dem 
spaeteren Mittelalter. Die Dissertation ist zudem wichtig fuer die 
Unternehmerpersoenlichkeit Hessing und sein kuenstlerisches 
Maezenatentum an der Wende vom 19. zum 20 Jahrhundert.


Karl Borchardt, Stadtarchiv Rothenburg ob der Tauber



2) Barbara Kraus (Hg.), Franz Vollrath Buttstett 1735-1814: Sechs Kantaten 
aus dem Jahrgang 1772/73 (Hamburg 2002)


Franz Vollrath Buttstett wurde 1735 in Erfurt geboren. Seine Familie liess ihn 
zum Musiker ausbilden. Seit 1756 Stadt- und Hoforganist in Weikersheim, 
heiratete er die Pfarrerstochter Margarethe Eleonore Adami aus Rothenburg 
und zog 1767 in die Tauberstadt in der Hoffnung, bald die Nachfolge des 
alternden Organisten bei St. Jakob Franz Christoph Anschuetz antreten zu 
koennen. Doch erst 1772 trat Anschuetz zurueck, und erst 1776 konnte 
Buttstett nach dem Tod seines Vorgaengers die Organistenwohnung 
beziehen. Bis zu seinem Tod 1814 uebte Buttstett, zuletzt fast erblindet, das 
Organistenamt aus, das gemaess einer Verfuegung der bayerischen 
Regierung von 1811 nicht wieder besetzt wurde. Barbara Kraus skizziert 
Leben und Werk knapp. Nuetzlich ist vor allem die Auflistung von Buttstetts 
Werken. Ediert werden dann sechs Kantaten, welche Buttstett zur 
Befoerderung seiner Anstellung 1773 dem Rat der Reichsstadt ueberreichte. 
Im Abspann wird erwaehnt der historische Kriminalroman von Andreas 
Nohr, stumpf oder: Von Staedten und Raeumen (Dettelbach 1999), in dem der 
wuerzburgische Archivar Andreas Sebastian Stumpf ueber den Anfall 
Rothenburgs an Bayern berichtet und in dem Buttstett eine Rolle spielt.


Karl Borchardt, Stadtarchiv Rothenburg ob der Tauber



3) Barbara Reif, The Shepherd's Crook: Memories of a German migrant in 
Perth (Charnwood/ACT: Ginninderra Press, 2002), 147 Seiten, Fotos.


Fritz Reif, geboren in Nuernberg, zog mit seinen Eltern nach Rothenburg, wo 
er das Gymnasium besuchte. Im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe, 
wanderte er 1953 nach Australien aus. Dort lernte er seine in Brisbane 
geborene Frau Barbara kennen, die inzwischen als Autorin hervorgetreten ist 
(Bay Tales: fishy stories from Moreton Bay, 1999). In Form kleiner, 
novellistischer Skizzen hat Barbara Reif jetzt Lebenserinnerungen ihres 
Mannes herausgegeben. Illustriert wird das Buechlein durch Fotos aus den 
30er bis 50er Jahren in Nuernberg, waehrend des Krieges und in Rothenburg, 
z.B. S. 33 jugendliche Motorradbegeisterte in Uniform 1940, Schaefertanz 
1949. Dadurch und durch den Erzaehlstil wird die Publikation zu einer 
amuesant lesbaren Quelle fuer eine nicht ganz gewoehnliche 
Alltagsgeschichte aus dem 20. Jahrhundert.


Karl Borchardt, Stadtarchiv Rothenburg ob der Tauber



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Milchmarkt 2
91541 Rothenburg ob der Tauber
Tel. 09861/404-29
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