geschichte-bayerns@lists.lrz-muenchen.de
Geschichte Bayerns
[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]
Neuerscheinungen der Schwaebischen Forschungsgemeinschaft Augsburg
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Listenmitglieder,
hiermit moechten wir Sie gerne auf zwei Neuerscheinungen
der Schwaebischen Forschungsgemeinschaft Augsburg
aufmerksam machen.
------------------------------------------------------------------------
Als Band 30 unserer Reihe “Studien zur Geschichte des
bayerischen Schwaben”, hg. von Rolf Kiessling, ist
erschienen:
Herbert Immenkoetter, Die isrealitische Kultusgemeinde in
Hainsfarth (Landkreis Donau-Ries) im 19. und 20.
Jahrhundert. Mit Beitraegen von Rolf Hofmann und Gernot
Roemer. - Augsburg: Wissner-Verlag 2002, XII + 300 S., 50
Abb. ISBN 3-89639-332-4, EUR 21,80
Zum Inhalt schreibt Herbert Immenkoetter:
Das Dorf Hainsfarth, 2 km suedoestlich von Oettingen in
Bayern gelegen, hatte um 1850 bei ca. 800 Einwohnern mehr
als 300 Juden, die von den Fuersten von Oettingen-Spielberg
nach und nach planmaessig angesiedelt worden waren.
Die israelitische Kultusgemeinde dieses ›Judendorfes‹ hat im
19. und 20. Jahrhundert eine Entwicklung genommen, die
nicht nur fuer das Landjudentum im Ries, sogar in ganz
Bayern typisch gewesen ist: Wirtschaftliche Prosperitaet
ermoeglichte zunaechst neue Anlagen von Mikwe,
Volksschule, Synagoge und Friedhof. Als diese jedoch eben
fertig wurden, begann ein beispielloser Aderlass des
Landjudentums. Zuerst waren es die grossen Staedte
Bayerns und Wuerttembergs, etwas spaeter das ›Land der
unbegrenzten Moeglichkeiten‹, die eine starke Sogwirkung
ausuebten, der vor allem junge, mutige und
unternehmungsfreudige Juden erlagen. Zurueck blieben viele
alte, kranke, unschluessig zaudernde Menschen, die nach der
Jahrhundertwende kaum mehr in der Lage waren, die hohen
Kosten fuer die Seelsorge, die gemeindlichen Soziallasten
und die teuren Baumassnahmen allein zu tragen. Staatliche
Hilfen setzten nur zoegernd ein, kamen im ganzen zu spaet
und gingen schliesslich im Ersten Weltkrieg unter.
Die Zwischenkriegszeit war gepraegt von wachsendem
Antisemitismus, der die Lebensbedingungen auch fuer
Hainsfarther Juden mehr und mehr einschnuerte und
zahlreiche Menschen ins Exil trieb.
Die Reichspogromnacht im November 1938 leitete
schliesslich die Endphase einer Jahrhunderte langen
Geschichte des Nebeneinander von Christen und Juden im
Dorf ein. Am 10. August 1942 wurden die letzten zehn
namentlich bekannten Juden aus Hainsfarth mit
unbekanntem Ziel verschleppt und ermordet.
--------------------------------------------------------------------------
Als Band 3 unserer Reihe “Quellen zur historischen Volks-
und Landeskunde”, hg. von Peter Fassl, ist erschienen:
Volks- und landeskundliche Beschreibungen aus dem
Landkreis Dillingen. Die Physikatsberichte der Landgerichte
Bissingen, Lauingen, Dillingen und Wertingen (1856-1861).
Georg Simnacher zum 70. Geburtstag. Bearb. von Gerhard
Willi. - Augsburg: Wissner-Verlag 2002, X + 436 S., 5 Abb.
ISBN 3-89639-337-5, EUR 25,--
Zu diesen Band schreibt Rolf Kiessling im Vorwort:
Mit dem vorliegenden Werk eroeffnet die Schwaebische
Forschungsgemeinschaft ein umfangreiches und ehrgeiziges
Projekt: Die Edition der Physikatsberichte aus der Mitte des
19. Jahrhunderts fuer das gesamte heutige Schwaben. Diese
umfassende Quelle wird heute als bedeutsame
Landesaufnahme von Forschern verschiedener
Fachrichtungen sehr geschaetzt, bietet aber auch fuer jeden
historisch Interessierten eine Fundgrube von
Detailinformationen aus einer Zeit, die noch vor dem
Umbruch der Hochindustrialisierung stand.
Sie ist zwar seit langem bekannt, wurde auch schon mehrfach
ausgewertet ¯ liegt aber in der Regel nur in mehr oder
weniger vollstaendigen Auszuegen vor. Die Schwaebische
Forschungsgemeinschaft hat sich deshalb in
Zusammenarbeit mit dem Bezirk Schwaben dazu
entschlossen, nicht nur alle fuer den heutigen
Regierungsbezirk Schwaben einschlaegigen Berichte zu
beruecksichtigen, sondern sie auch vollstaendig zu edieren:
Diesem ersten Band sollen im Laufe der naechsten Jahre
weitere sieben folgen. Um die Texte fuer die Forschung zu
erschliessen, wird auch in Kuerze ein einfuehrender Band ¯
Band 2 in dieser Reihe ¯ vorgelegt werden, der den
Quellenwert der Physikatsberichte ausfuehrlich auf
gesamtbayerischer Ebene diskutiert und in den Kontext
aehnlicher volkskundlicher Aufnahmen stellt.
Mit freundlichen Gruessen
Doris Pfister M.A.
Schwaebische Forschungsstelle Augsburg der Kommission
fuer bayerische Landesgeschichte
__________________________________________________
E-Mail-Forum "Geschichte Bayerns"
geschichte-bayerns@lists.lrz-muenchen.de
Redaktion:
redaktion@geschichte-bayerns.de
http://www.geschichte-bayerns.de/
__________________________________________________
[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]