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Tagung: Der Fall des Guenstlings
From: Residenzen-Kommission <resikom@email.uni-kiel.de>
Subject: Re: Betr: 8. Symp. d. Residenzen-Komm.: "Der Fall des
Guenstlings"
Date: Wed, 05 Jun 2002 09:21:00 +0200
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8. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu
Goettingen in Zusammenarbeit mit der Stadt Neuburg a.d. Donau, der
Katholischen Universitaet Eichstaett und dem Deutschen Historischen
Institut Paris,
Neuburg an der Donau 21.09.2002-24.09.2002, Schloss
Deadline: 01.09.2002
THEMATISCHE SCHWERPUNKTE
Der "Fall" in "Der Fall des Guenstlings" hat eine fruchtbare
Doppelbedeutung: Zunaechst geht es um eine Form der Machtausuebung im
Zeitalter der Gunst, dann aber auch um die Entmachtung, oft mit toedlichem
Ausgang. Die letzte Bedeutung ist ein Ereignis, dem erleuchtende Kraft
fuer die erste zukommt. Denn wenn jeder Guenstling frueher oder spaeter
faellt, sagt dies etwas ueber die Struktur von Herrschaft und Gesellschaft
aus, eben ueber das, was in der alteuropaeischen Monarchie der Fall war.
Das Symposium wird sich in vier Sektionen mit dem Thema beschaeftigen:
1. Der Begriff von der Sache
2. Regieren mit Gruppen: Hofparteien
3. Schon etwas sein, erst etwas werden: Guenstlingsfaelle
4. Sonderfaelle: Illegitime, Bilder, Kuenstler
In der ersten Sektion werden der Begriff "Guenstling" und sein Wortfeld zu
behandeln sein, die Geschichte der Bezeichnungen und die Gunst als
Strukturmerkmal der politischen Existenz bei Hofe.
Die zweite Sektion wird sich staerker mit Hofparteien befassen. Dabei ist
zu bedenken, dass "Guenstling" nicht immer ein Individuum meint, sondern
oft auch eine kleinere oder groessere Gruppe: Jugendfreunde, mitgebrachte
Fremde, bewaehrte Fachleute, maechtige Verwandte. Ueberhaupt wird es uns
nicht nur um die normbrechende Einzelfigur gehen, sondern auch um die
durchaus normgemaesse Figur des Vertrauten und des Freundes, daneben um
Gruppen am Hof, die um Einfluss ringen, ohne dass eine Einzelperson sich
heraushoebe.
Bei den "Guenstlingsfaellen" sollen Beispiele fuer typische
Guenstlingskarrieren am Hofe vorgestellt werden. Anhand von Fallbeispielen
wird zu fragen sein, ob es den einen Weg zur Gunst des Herrschers gab oder
ob viele verschiedene Moeglichkeiten des Erwerbs und des Erhalts von Gunst
eine gleichberechtigte Rolle spielten. Ebenso wird beim "Fall" des
Guenstlings die Typologie zu untersuchen sein. Welche Bedingungen fuehrten
zum Sturz des Guenstlings, wann wurde dieser unausweichlich und mit Hilfe
welcher Mechanismen rueckten andere an die Stelle des Gestuerzten nach?
Eng im Zusammenhang mit der dritten Sektion wird die Behandlung der
"Sonderfaelle" stehen, die am Ende der Tagung besonders gewuerdigt werden
sollen. Dabei wird es um Illegitime in der Gunst des Herrschers ebenso
gehen wie um das Bild der Guenstlinge in der zeitgenoessischen Kunst. Ein
weiteres Element, dass in Zusammenhang mit dem Problem der Illegitimitaet
steht, sind die Maetressen als Guenstlinge des Herrschers. Hier wird die
Begrifflichkeit von Gunst erneut zu ueberpruefen sein und sich
moeglicherweise ein bislang nicht ausreichend betrachteter Aspekt von
Gunstbeziehungen zeigen.
"Der Fall des Guenstlings" wird wesentliche Strukturen fuerstlicher
Herrschaft in Alteuropa erkennen lassen und die Hofgesellschaft in
heftiger Bewegung zeigen - und nicht wie so oft als erstarrtes Bild
hierarchischer Ordnung.
Tagungsprogramm (Stand: Juni 2002):
Samstag, 21. September 2002
Oeffentlicher Abendvortrag
(Schloss, Nordfluegel)
18:00
Begruessung
18:30
Prof. Dr. Ferdinand Kramer (Eichstaett),
Neuburg und seine Residenz in Politik und Kultur bis zur Zeit des
Dreissigjaehrigen Krieges
19:30
Empfang durch die Stadt
Sonntag, 22. September 2002
Exkursion
Harburg - Eichstaett - Hirschberg (bischoefl. Jagdschloss) - Ingolstadt
Montag, 23. September 2002 (Schloss, Nordfluegel)
9:00
Begruessung
1. Der Begriff von der Sache
9:15
Prof. Dr. Werner Paravicini (Paris),
Einfuehrung
9:30
Dr. Jan Hirschbiegel (Kiel),
Der Guenstling im spaeten Mittelalter als theoretische Konstruktion
10:00
Sven Rabeler, M.A. (Kiel),
Vertrauen und Gunst. Klientelismus am spaetmittelalterlichen Hof
10:30
Pause
11:00
Prof. Dr. R. A. Mueller (Eichstaett),
Fuerstenspiegel ueber Guenstlinge und Hofparteien
11:30
Dr. Jan Paul Niederkorn (Wien),
Der Sturz des Grosswesirs
12:00
Diskussion
13:00
freies Mittagessen
2. Regieren mit Gruppen: Hofparteien
15:00
Prof. Dr. Philippe Contamine, membre de l'Institut (Paris),
Le règne de Charles VII: être disgrâcié
15:30
Prof. Dr. Peter Moraw (Giessen),
Koenig Wenzels Hof, eine Guenstlingswirtschaft?
16:00
Prof. Dr. Bertrand Schnerb (Lille),
La succession des favoris à la cour de Bourgogne, env. 1400-1430
16:30
Pause
17:00
Dr. A. Reitemeier (Kiel),
Bevorzugte Gruppen und ihre Wahrnehmung am englischen Hof des
Spaetmittelalters (AT)
17:30
Prof. Dr. Heinz Noflatscher (Innsbruck),
Einflussreiche Kleingruppen an den Hoefen Maximilians I. und Rudolf II.
Ein Vergleich.
18:00
Ivo Cerman, M.A. (Prag),
Partey, Faction, Kabal am Hofe Kaiser Leopolds I., 1669-1674 (Mitteilung)
18:15
Diskussion
Dienstag, 24. September 2002
3. Schon etwas sein, erst etwas werden: Guenstlingsfaelle
9:00
PD Dr. Christian Lackner (Wien),
Aufstieg und Fall des Hans von Liechtenstein zu Nikolsburg im 14.
Jahrhundert
9:30
Prof. Dr. Adeline Rucquoy (Paris),
Le cas-type d'Alvaro de Luna (Castille, XVe siècle)
10:00
PD Dr. Reinhard Stauber (Muenchen),
Neuburgs erster Staatsgefangener. Zu Karriere und Sturz des Wolfgang
Kolberger, Kanzler des Herzogtums Bayern Landshut 1489-1502
(Mitteilung)
10:15
Pause
10:45
Dr. des. Oliver Auge (Greifswald),
Holtzinger, Entzlin und Jud Suess - Guenstlingsfaelle am
spaetmittelalterlichen und fruehneuzeitlichen Hof der Wuerttemberger
11:15
Dr. Christian Wieland (Bielefeld),
Lorenzino de Medici und Francesco Guicciardini: Zwei Guenstlingstypen am
Beginn der Medici-Monarchie
11:45
Diskussion
4. Sonderfaelle: Illegitime, Bilder, Kuenstler
15:00
Prof. Dr. Ellen Widder (Tuebingen),
Illegitime bei Hofe
15:30
Prof. Dr. Châtelet (Strassburg),
Portraits de favoris à la fin du XVe siècle (AT)
16:00
Dr. Liliane Châtelet-Lange (Mundolsheim),
Benvenuto Cellini und Franz I.: der Kuenstler als Guenstling (Mitteilung)
16:15
Pause
16:45
Dr. Sigrid Ruby (Giessen),
Anne de Pisseleu und Diane de Poitiers. Die Maetresse als Guenstling am
franzoesischen Hof des 16. Jahrhunderts
17:15
Diskussion
17:45
Prof. Dr. Ronald G. Asch (Osnabrueck),
Zusammenfassung
Wenn Sie gerne an der Tagung teilnehmen wollen, setzen Sie sich bitte mit
der Arbeitsstelle Kiel der Residenzen-Kommission in Verbindung:
resikom@email.uni-kiel.de
Weitere Informationen und eine Moeglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf
der homepage der Kommission: http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de
i.A. Dr. Joerg Wettlaufer und Dr. Jan Hirschbiegel
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Arbeitsstelle Kiel
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Christian-Albrechts-Universitaet zu Kiel
Olshausenstr. 40
24098 Kiel (Briefe)
24118 Kiel (Paeckchen)
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