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Forschungsvorhaben: Bayerns Muenzgeschichte im 15. Jh.
From: Hubert.Emmerig@univie.ac.at
Subject: Forschungsvorhaben: Bayerns Muenzgeschichte im 15. Jh.
Date: Mon, 15 Apr 2002 15:21:10 +0200
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Bayerns Muenzgeschichte im 15. Jahrhundert
Fuer die bayerische Muenzgeschichte des 15. Jahrhunderts bieten sich zwei
praegnante Daten zur zeitlichen Eingrenzung an. Im Jahr 1392 kam es zur
dritten grossen bayerischen Landesteilung, in deren Folge es zunaechst
vier bayerische Teilherzogtuemer gab (Muenchen, Landshut, Ingolstadt,
Straubing), die aber im Muenzwesen noch zusammenarbeiteten. Im Jahr 1506
erneuerte Herzog Albrecht IV. nach der Wiedervereinigung Bayerns das
bayerische Muenzwesen von Grund auf und fuehrte ein neuzeitliches
Nominalsystem vom Heller bis zum Goldgulden ein.
Fuer den derzeitigen Bearbeitungsstand der Muenzgeschichte in dieser Zeit
lassen sich folgende schlagwortartige Feststellungen treffen:
- schriftliches Quellenmaterial wird bis heute nur rezipiert, soweit es
von Johann Georg von Lori (Sammlung des baierischen Muenzrechts, ca. 1768)
gedruckt wurde;
- die Katalogisierung des Muenzmaterials hat seit etwa hundert Jahren kaum
mehr Fortschritte gemacht;
- ergaenzende Neupublikationen von Quellen und Muenzen sind sehr verstreut
und wurden bisher nicht zusammenfassend ausgewertet.
Eine Bearbeitung der bayerischen Muenzgeschichte dieser Zeit ist als Thema
der Habilitation des Autors in Arbeit. Grundlage ist eine Neuerfassung der
schriftlichen Quellen, die gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts zu grossen
Mengen anschwellen und deren Ueberlieferung als recht gut zu bezeichnen
ist. Dadurch wird klar, dass in der Publikation von Lori, so wegweisend
diese nicht nur fuer das 18. Jahrhundert war, bis heute nur geringe Teile
des eigentlich vorhandenen Quellenmaterials zur Verfuegung stehen.
Trauriger Hoehepunkt der sueddeutsch-oesterreichischen Muenzgeschichte des
15. Jahrhunderts ist die kurze, aber heftige Inflation um 1460, die sog.
Schinderlingszeit, deren Verlauf eng mit dem sog. Markgrafenkrieg
(1460-1463) zusammenhaengt. Die Jahre dieser Geldkrise bringen einen
steilen Anstieg an schriftlicher Ueberlieferung, die sowohl
innenpolitische Aktivitaeten als auch insbesondere Verhandlungen mit den
umgebenden Muenzstaenden (Salzburg, Passau, Leuchtenberg-Hals, Oettingen)
dokumentiert; die Archive dieser Muenzstaende sind also, soweit noch
vorhanden, ebenfalls heranzuziehen.
Die enormen Quellenmengen erfordern zunaechst eine Unterteilung der
Epoche. Die Ueberwindung der Schinderlingszeit ist gegen Ende der 1460er
Jahre abgeschlossen. Bevor es gegen Ende des Jahrhunderts im Bemuehen um
ein modernes neuzeitliches Muenzwesen in Bayern, das mit der Muenzreform
1506 seinen Abschluss findet, wieder zu einem Ansteigen der Quellenzahlen
kommt, bietet es sich deshalb an, zunaechst um 1470 einen Einschnitt zu
machen und die Bearbeitung dieses zweiten Themenbereiches - des Uebergangs
zur Neuzeit - fuer einen spaeteren Zeitpunkt zurueckzustellen.
Ziel ist es, im Rahmen einer Muenzgeschichte die historischen Fakten und
Ablaeufe zu klaeren. Die Verhandlungen zwischen den bayerischen Linien und
mit den benachbarten Territorien und innenpolitische Aeusserungen wie
Muenzordnungen, Anstellungsvertraege fuer das Personal und Abrechnungen
liefern dafuer das Material. So werden sicherlich auch die Taetigkeit der
Muenzstaetten und ihre Personalbesetzung konkreter gefasst werden koennen;
sogar auf Erkenntnisse ueber Praegemengen ist zu hoffen. Damit ist dann
der Katalog der bekannten Muenztypen in Uebereinstimmung zu bringen.
Hubert Emmerig
(zuerst erschienen in: Universitaet Wien, Institut fuer Numismatik und
Geldgeschichte, Mitteilungsblatt 23 / 01, Wintersemester 2001/2002, S.
31-32).
--
Univ.-Ass. Dr. Hubert Emmerig
Institut fuer Numismatik und Geldgeschichte der Universitaet Wien
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