geschichte-bayerns@lists.lrz-muenchen.de
Geschichte Bayerns
[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]
Rezension (in Merkur-Online): D. Walter ueber A. Schmid u. K. Weigand (Hg.), Die Herrscher Bayerns
Sehr geehrte Damen und Herren,
einer Anregung aus dem Teilnehmerkreis der Liste folgend, moechten wir Sie
auf die Besprechung des von Alois Schmid und Katharina Weigand
herausgegebenen Sammelbandes "Die Herrscher Bayerns. 25 historische
Portraets von Tassilo III. bis Ludwig III." (Muenchen 2001) durch Dirk
Walter im Muenchner Merkur vom 5. April 2002 aufmerksam machen. Die
Besprechung ist online unter der Adresse
http://www2.merkur-online.de/magazin/magazin3.cfm?idnr=65537
zugaenglich (zum besprochenen Band s. auch die Anzeige vom 04.10.2001 im
Mailarchiv,
http://www.lrz-muenchen.de/services/netzdienste/email/email-archive/geschichte-bayernsAlists.lrz-muenchen.de/msg00089.html).
Die Rezension verdient m.E. Aufmerksamkeit gerade auch wegen ihres letzten
Absatzes, der die Aussenwirkung der landesgeschichtlichen Forschung in
Bayern insgesamt betrifft.
Zu der Buchbesprechung hat Florian Sepp M.A. in einem Leserbrief an die
Redaktion des Muenchner Merkurs Stellung genommen. Da noch nicht klar ist,
ob und in welcher Form der Leserbrief veroeffentlicht wird, moechten wir
Ihnen dessen Wortlaut ebenfalls als Diskussionsbeitrag zur Kenntnis geben.
Mit freundlichen Gruessen
Dr. Daniel Schloegl
********************
Florian Sepp, Stellungnahme zum Beitrag von Dirk Walter, "Keine
Majestaetsbeleidigung. Aufsatzsammlung ueber die Herrscher Bayerns" im
Muenchner Merkur vom 5. April 2002:
Erfreulich ist es, dass ein Buch ueber die Herrscher Bayerns den Sprung in
den Kulturteil des Muenchner Merkurs schafft. Um so aergerlicher aber,
wenn eine derartig unsachliche Besprechung dabei herauskommt.
Kleinigkeiten, wie der falsche Name des Herausgebers (Schmid, nicht
Schmidt) und der um ein Jahrhundert zu spaet angesetzte Herrschaftsbeginn
der Wittelsbacher (1280 statt richtig 1180), seien als Tippfehler
verziehen.
Unverstaendlich aber bleiben die Angriffe auf Hans Michael Koerners
Beitrag ueber Ludwig III., der keineswegs den letzten bayerischen Koenig
im milden Licht zeichnet, sondern dessen Schwaechen deutlich benennt (z.B.
das kraftlose Auftreten gegenueber Preussen oder die Unterstuetzung der
annexionistischen Politik des Kaiserreichs im 1. Weltkrieg). Da Koerner
gezielt nach der Verantwortung Ludwigs fuer das Ende der Monarchie in
Bayern fragt, ist auch der Schlusspunkt seiner Darstellung im Jahr 1918
sinnvoll. Nur am Rande sei bemerkt, dass das Koenigreich Bayern vor 1918
sicher nicht vollkommen undemokratisch war. Die parlamentarische Reform
der Monarchie war im November 1918 so gut wie abgeschlossen.
Die Attacken gehen aber weiter, sie richten sich gegen die Konzeption des
Bandes ueberhaupt. Der Rezensent scheint freilich mit seiner Kritik noch
der "ueber mehrere Jahrzehnte hinweg ... einseitig ueberbetonten
Gesellschafts- und Strukturgeschichte" verpflichtet. Doch die
Geschichtswissenschaft hat als Ganzes - nicht nur die Landesgeschichte -
in den letzten Jahren deutliche Korrekturen an den Auffassungen der 1970er
Jahre vorgenommen. Menschen sind eben nicht nur "Getriebene
wirkungsmaechtiger Tiefenstrukturen", sie koennen auch den Gang der
Geschichte beeinflussen.
Ob es den 25 Autoren gelungen ist, die "vorgestellten Persoenlichkeiten im
politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext ihrer jeweiligen
Gegenwart zu verankern", wird im Einzelfall zu pruefen und auch zu
kritisieren sein. Doch die Qualitaet dieses bewusst populaer gehaltenen
Buches erkennt ja der Rezensent lobend an. Was aber bewog ihn zu dem
abschliessenden Frontalangriff auf die im Band versammelten Historiker,
die keineswegs ausschliesslich der Bayerischen Landesgeschichte
entstammen, sondern beachtlich vielen verschiedenen Disziplinen?
Von der Forschungstaetigkeit der bayerischen Landesgeschichte hat der
Rezensent offensichtlich nicht die geringste Ahnung. Mit der Aufforderung,
die betroffenen Wissenschaftler sollten endlich einmal zu "wirklich
wichtigen Forschungsfragen" publizieren - wie Bayern im
Nationalsozialismus oder der Bundesrepublik -, rennt er offene
Scheunentore ein. Denn nicht nur, dass die Bewertung der "Wichtigkeit"
historischer Ereignisse eine aeusserst subjektive Angelegenheit ist und es
auch in Mittelalter und Frueher Neuzeit noch eine Vielzahl offener Fragen
gibt: Zeitgeschichtliche Forschung stellt schon lange eine der
Hauptaufgaben der Landesgeschichte dar. Eine Reihe der in dem Band
versammelten Historiker sind gerade durch ihre Arbeiten zu Bayern waehrend
der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus oder der Bundesrepublik
bekannt geworden bzw. haben einschlaegige Magisterarbeiten, Dissertationen
und Forschungsprojekte angeregt.
Im Zeitalter des Internets ist es einfach geworden, sich ueber die
wissenschaftliche Forschung zu informieren. Ein Blick auf die Homepages
des Instituts fuer bayerische Geschichte an der Uni Muenchen
(www.fak09.uni-muenchen.de/bg/ - Veranstaltungsverzeichnis) und der
Kommission fuer bayerische Landesgeschichte bei der bayerischen Akademie
der Wissenschaften (http://www.kbl.badw.de - Dissertationsverzeichnis,
Publikationen) haette dem Rezensenten den abschliessenden Rohrkrepierer
ersparen koennen.
********************
__________________________________________________
E-Mail-Forum "Geschichte Bayerns"
geschichte-bayerns@lists.lrz-muenchen.de
Redaktion:
redaktion@geschichte-bayerns.de
http://www.geschichte-bayerns.de/
__________________________________________________
[Date Prev][Date Next][Thread Prev][Thread Next][Date Index][Thread Index]