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Geschichte Bayerns
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Projekt: Bayerisch-russische Beziehungen in Architektur und Bauwesen 1. H. 19. Jh.
From: Beyer-Thoma@t-online.de (Hermann Beyer-Thoma)
Subject: Projektvorstellung: bayerisch-russische Beziehungen
in Architektur und Bauwesen 1. H. 19. Jh.
Date sent: Tue, 9 Oct 2001 22:21:12 +0200
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Dr. Hermann Beyer-Thoma
Osteuropa-Institut Muenchen
Historische Abteilung
Scheinerstrasse 11
D 81679 Muenchen
E-Mail: Beyer-Thoma@t-online.de
Tel.: ++49 89/99839-442 (Mo, Di / Mo, Tu)
Fax: ++49 89/75998228
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Bayern und Russland: Zur Entstehung und Entwicklung von
Architekturbeziehungen 1800-1850
(Von Carl Friedrich von Wiebeking bis Leo von Klenze)
Die deutsch-russischen Architektur- und Baubeziehungen sind auf einer
konkreten - und das heisst: regionalen - Ebene noch kaum erforscht. Im
Falle Bayerns ruhten die Kontakte im 19. Jh. in erster Linie auf den zwei
fuehrenden Persoenlichkeiten des sueddeutschen Bauwesens jener Zeit, dem kgl.
bayerischen Oberingenieurs Carl Friedrich von Wiebeking (1762-1842) und
dem kgl. bayerischen Oberbaudirektors Leo von Klenze (1784-1864. Dabei ist
anzumerken, dass Klenze seinen bedeutendsten Museumbau, die Kaiserliche
Neue Eremitage, in St. Petersburg geplant und gebaut hat (Planungs- und
Bauzeit 1838-1852).
Im Rahmen des Vorhabens werden die in der westeuropaeischen Forschung noch
unbekannten Materialien aus den russischen Bestaenden im Hinblick auf die
breitangelegten bayerisch-russischen Kontakte im Bauwesen gesichtet,
systematisiert und im Zusammenhang mit den entsprechenden deutschen
Materialien analysiert. Damit soll ein Beitrag zur Entstehung und
Entwicklung der sueddeutsch-russischen Kontakte im Bauwesen geleistet
werden, deren Einfluss sowohl in der neuartigen Struktur der Bauverwaltung
und im Hochschulwesen als auch in der gesamten Architekturlandschaft
Russlands ab Mitte des 19. Jh. deutliche Spuren hinterlassen hat.
Wie aus den russischen Archivquellen hervorgeht, war Wiebeking von 1804
bis 1808 bereit, die Ausbildung der ersten russischen Ingenieure in Bayern
zu gewaehrleisten. Nach der Gruendung der ersten Technischen
Hochschuleinrichtungen in St. Petersburg (1809) blieb Wiebeking ueber
Jahrzehnte hinweg bis Anfang der 1840er Jahre der wichtigste
Ansprechpartner des russischen “Corps” und des “Instituts der
Verkehrswegeingenieure” in Deutschland. Diese ungewoehnliche Beziehung
hinterliess ihre Spuren sowohl in den zahlreichen Archivalien als auch in
den Publikationen Wiebekings. So widmete er dem russischen Zaren Nikolaus
I. sein siebenbaendiges Werk Architecture civile ... (Muenchen, 1827-1831).
Die Einleitung enthaelt allgemeine Ansichten des Verfassers ueber die
Taetigkeit des russischen Amtes fuer Verkehrswege und seines Leiters
Alexander von Wuerttemberg. Bereits im darauffolgenden Jahr vergleicht
Wiebeking die zeitgenoessische Situation im russischen Bauwesen mit der des
fuehrenden Industrielandes jener Zeit, Grossbritannien (Mémoire sur des
ponts suspendus en chaînes de fer, relatif aux ponts construits dans le
dernier temps en Angleterre et en Russie ... . Muenchen, 1832). Die erste
und einzige Biographie Alexanders von Wuerttemberg, kurz nach seinem Tod in
Gotha, wurde ebenfalls von Wiebeking in Muenchen veroeffentlicht (Biographie
des Herzog Alexander zu Wuerttemberg, Chef und Generaldirector der
oeffentlichen Bauwerke des Russischen Reiches und innern Communicationen
... . Muenchen, 1835).
Das wachsende Interesse an der bayerischen Baukunst spiegelt sich auch in
der zeitgenoessischen russischen Presse und Literatur. So widmete die
Petersburger Zeitschrift Chudožestvennaja Gazeta (Kunstzeitung) im Jahre
1838 dem Kunst- und Baugeschehen Bayerns, besonders den Bauten Klenzes,
Gaertners, Zieblands und Ohlmuellers, eine ausfuehrliche Uebersichtsreihe, die
mit dem Aufruf endete: »... Begeben Sie sich einmal nach Muenchen, und Sie
werden verstehen, was es bedeutet, mit der Kunst zu leben und diese
einzuatmen. Sie werden verstehen, was es bedeutet, von der Kunst besessen
zu sein, und Sie werden ein Volk vorfinden, das sich fuer Gemaelde,
Basreliefs und Denkmaeler interessiert«. Erwaehnungen von zahlreichen
Begegnungen zwischen russischen und deutschen Kuenstlern und
Wissenschaftlern von 1820-1830 sind u. a. in den Briefen A. P. und K. P.
Bruellovs und den Tagebuechern A. I. Turgenjevs enthalten.
Die seit 1800 im Bauwesen kontinuierlich nachweisbaren
sueddeutsch-russischen Kontakte fanden ihren Hoehepunkt in der komplexen
Baugeschichte der Neuen Eremitage in St. Petersburg (1838-1852). Die
Vorgeschichte des Auftrags begann waehrend des Besuches von Zar Nikolaus I.
in Muenchen erteilt, der aus Anlass der Vermaehlung von Nikolaus’ Tochter,
Grossfuerstin Marija Nikolaevna, mit dem Herzog Maximilian von Leuchtenberg
stattfand. Dieses Ereignis fuehrte offensichtlich zu einer weiteren
politischen Annaeherung zwischen Bayern und Russland. Fuer Klenze folgte eine
Einladung nach St. Petersburg, die er im Mai 1839 annahm. Dort erhielt der
oberste bayerische Baubeamte Auftraege fuer einen neuen, sich an den Komplex
des Winterpalais anschliessenden Museumsbau und fuer die innere Ausstattung
der Isaak-Kathedrale. Um das immense Bauvorhaben der Neuen Eremitage zu
vollenden, bedurfte es sechs weiterer Reisen nach Russland und einer
zwoelfjaehrigen Zusammenarbeit, in welche die Muenchener Mitarbeiter Klenzes
(einige von ihnen blieben mehrere Jahre in Russland) ebenso einbezogen
waren wie auch eine Reihe prominenter russischer Architekten. Zu den
letztgenannten zaehlten vor allem die Mitglieder der Baukommission der
Neuen Eremitage, die fuehrenden Petersburger Architekten jener Zeit, V. P.
Stasov (1769-1848), A. P. Bruellov (1798-1877) und N. E. Efimov
(1799-1851). Ungeachtet der Mitwirkung mehrerer Mitarbeiter und der
raeumlichen Distanz bleibt der Komplex Neue Eremitage der einzige
Museumsbau Klenzes, der in Form und Inhalt das urspruengliche Konzept ohne
Aenderungen, Schaeden und spaetere Umbauten bewahrt hat und damit das Wirken
Klenzes auf dem Gebiet des Museumsbaus des 19. Jahrhunderts bis heute
exemplarisch verkoerpert und repraesentiert.
Projektleitung:Prof. Dr. Edgar Hoesch, Dr. Hermann Beyer-Thoma
(Osteuropa-Institut Muenchen)
Projektbearbeiter: Dr.-Ing. Sergej G. Fedorov (Osteuropa-Institut
Muenchen)
In Kooperation mit:
Architekturmuseum der Technischen Universitaet Muenchen
(Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger)
Staatliche Eremitage in St. Petersburg / Russland (Direktor Prof. M. B. Piotrovskij)
Institut fuer Baugeschichte der Universitaet Karlsruhe /
Dokumentationsstelle des SFB 315 "Erhalten historisch bedeutsamer
Bauwerke" an der Universitaet Karlsruhe
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