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Tagungsbericht: "Holzversorgung als kommunale Aufgabe"
Date: Thu, 26 Apr 2001 09:26:28 +0200
From: H.Ellrich@lrz.uni-muenchen.de
Subject: Tagungsbericht
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Bericht zur Tagung:
"Holzversorgung als kommunale Aufgabe. Stadt und Wald im 18. und 19.
Jahrhundert" am 5./6. April 2001 in Grainau/Oberbayern.
"Holzversorgung als kommunale Aufgabe. Stadt und Wald im 18. und 19.
Jahrhundert." So lautete der Titel einer umweltgeschichtlichen Tagung der
DFG, die das Historische Seminar der Muenchner Ludwig-Maximilians-Universitaet
im Rahmen des gleichnamigen DFG-Projektes am 5. und 6. April 2001 in
Grainau/Oberbayern durchfuehrte. Unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfram
Siemann (Abteilung Neueste Geschichte und Zeitgeschichte) trafen sich
Wissenschaftler aus Deutschland und Oesterreich zum gegenseitigen
Gedankenaustausch.
Schwerpunktartig konzentrierten sich die Vortraege auf den
sueddeutsch-alpenlaendischen Raum, wobei verschiedene Staedtetypen in der
Umbruchzeit vom 18. zum 19. Jahrhundert vorgestellt wurden, darunter der
Typus der staendischen Stadt Klagenfurt, der geistlichen Residenzstaedte
Passau, Salzburg und Wuerzburg, der freien Reichsstaedte Nuernberg und
Regensburg sowie der Haupt- und Residenzstadt Muenchen. Analysiert wurde
ferner der Funktionswandel stadtnaher Waelder vom fruehneuzeitlichen
Naehrwald und Energielieferanten zum forstwirtschaftlichen Nutz- und
Erholungswald der industriellen Epoche. Zudem konzentrierten sich die
Vortraege auf die Frage, welchen Einfluss die Phasen grossen Nutz- und
Brennholzbedarfs (beispielsweise bei Grossbauten, nach Grossbraenden oder
langen und kalten Wintern) auf den Holzmarkt und damit auf Holzanbieter
und Holzkonsumenten hatten. Ueber die eigentlichen umweltgeschichtlichen
Aspekte hinaus ergaben sich neue Erkenntnisse im Bereich der politischen
Geschichte, der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, der Stadtgeschichte und
der Armenversorgung.
"Waldnutzung, Holzversorgung und Parkbau im Passau des 18. Jahrhunderts"
bildete ein Thema, dem sich PD Dr. Bernhard Loeffler (Passau) widmete.
Loeffler skizzierte den Typus der geistlichen Residenzstadt, der ein
eigenes Patriziat fehlte, die sich durch ihren Waldreichtum nahe der Stadt
und die Lage an den Fluessen Donau, Inn und Ilz auszeichnete. Neben dem
Neuburger Wald wies insbesondere das Abteiland eine duenne Besiedlung auf.
Der Wald blieb, mit Ausnahme von Glashuetten, sich selbst ueberlassen,
wurde nicht systematisch genutzt und diente als Jagdwald. Bis Mitte des
18. Jahrhunderts fand kein eigentlicher Holzhandel statt. Erst das
Anwachsen der staedtischen Bevoelkerung von 6000 auf 9000 Einwohner
fuehrte zu einer Intensivierung der Passauer Holzwirtschaft. 1762 entstand
eine erste Forstordnung. Groesster Holzabnehmer war die Stadt (Buerger und
Einwohner) gefolgt von bischoeflichen/geistlichen Instanzen. Eine
Konkurrenz fuer die Bewohner und Gewerbe des Umlandes entstand nicht.
Aufgrund der geringen Bevoelkerungsdichte konzentrierte sich die
Holzversorgung auf die Stadt. Das Passauer Handwerk verfuegte mit Ausnahme
des Schoppergewerbes (Schiffbau) und der Brauereien ueber keine groesseren
Gewerbe. Bauholz wurde v.a. fuer den Brueckenbau und teilweise auch fuer
den Hausbau benoetigt. Stadtbraende fuehrten hier zu einer Verordnung zum
Bau von Steinhaeusern.
Neben die stadtnahe Holzversorgung trat ab den 1720er Jahren die bis dahin
verbotene Schwemmholztrift, deren Hauptschlagader die Ilz und der
Triftkanal bildeten. 1760 entstand ein Holzmagazin, das Brennholz an- und
billig verkaufte. Knapp 90% dieses Holzes kamen aus Bayern, der Rest aus
dem Hochstift Passau. Ende des 18. Jahrhunderts trat ein Wandel im Umgang
mit dem Wald ein. Aus dem Jagd- und dem Holznutzungswald wurde allmaehlich
ein "Erholungswald". Keine Rolle spielte der Landwirtschaftswald.
Sichtbares Zeichen des "Erholungswaldes" bildete der nach englischem
Vorbild errichtete Park "Freundenhain", der den Passauer Wald in seine
kuenstlich ueberformte Natur miteinbezog und der Freude und Bildung
diente.
Dr. Christoph Sonnlechner (Wien) referierte zum Thema "Raeumlich
konzentrierter Verbrauch von Holz. Das Beispiel der Saline Hallein vom 16.
bis 18. Jahrhundert." Sonnlechner, der im Rahmen eines Projektes zu
"Umwelt und Verwaltung in der fruehen Neuzeit" eine der bedeutendsten
Salinen Mitteleuropas in Hallein bearbeitete und untersuchte, gab den
Anstoss, den Zusammenhang zwischen Salinenwirtschaft und staedtischer
Holzversorgung naeher zu analysieren. Bereits 1524 war im Erzbistum
Salzburg eine erste Waldordnung erlassen worden, deren nahezu einziger
Zweck darin bestand, die Saline Hallein mit Holz zu versorgen, und die
zugleich versuchte, andere Nutzungen zu unterbinden. Statt
multifunktionaler Nutzungen sollte eine Nutzungsentflechtung
herbeigefuehrt werden. Sogenannte Waldmeister erhielten die Aufgabe,
Waldnutzungen und Rechtsverhaeltnisse zu beschreiben, schriftliche
Nachweise ueber Rechtsverhaeltnisse beizubringen und einen
Bestaendeueberblick aller Waelder anzulegen. Im Falle fehlender
rechtlicher Nachweise sollten die Waelder an den Landesherrn fallen, der
damit auf 'Reservewaelder' bei Holzverknappung zurueckgreifen konnte.
Beachtenswert waren die fruehen Ziele einer protoindustriellen
Entwicklung: Nutzen- und Gewinnmaximierung. Noch im 16. Jahrhundert
erfolgte die Anlage von Stockurbaren und die Neubestimmung des
Einheitswertes. Die Waldordnung von 1592, die mit einigen Aenderungen im
17. Jahrhundert auch 1713 noch gueltig blieb, gibt Aufschluesse ueber die
Organisation der Holzversorgung des Salinenwesens. Neben der zentralen
Oberstwaldmeisterei in Salzburg versahen Gerichte in Aemterkumulation die
regionale Verwaltung der Unterwaldmeistereien, waehrend die Untertanen als
Waldhueter und Foerster die unterste Ebene bildeten. Sie erhielten
Ehrungen und Trinkgelder, jedoch keinen Lohn fuer ihre Arbeit. Private
Holzunternehmer versahen Schlaege und Bringung des Holzes. Der
Holzeinschlag erfolgte im Herbst/Winter, die Trift, als nahezu einzige
Transportmoeglichkeit im Fruehjahr. Mit Blick auf den Brennholzbedarf der
Saline Hallein stand seit dem 16. Jahrhundert die Aufzucht von
Nadelwaeldern im Mittelpunkt. Holz, das weder von der Saline, noch vom
Landesherrn genutzt werden konnte, stellte man der Bevoelkerung gegen ein
Entgelt zur Verfuegung. Unrentable Flaechen wurden gerodet und auf den
Flaechen Getreide angebaut.
Der Vortrag von PD Dr. Joern Sieglerschmidt (Mannheim) widmete sich dem
Thema "Holz als zentrale Ressource der Vormoderne - Der Holzbedarf
fruehneuzeitlicher Staedte im Bodenseeraum." Sieglerschmidt lieferte einen
grundsaetzlichen umwelthistorischen Ueberblick ueber das vorindustrielle
Gleichgewicht zwischen Anspruechen und Ressourcenverbrauch, das vom
Vorhandensein von Holz und Wasser und der Verfuegbarkeit von Stickstoff,
Fetten und Eiweissen abhaengig war. Mit Blick auf die Basisinnovationen
des 19. Jahrhunderts wurde etwa der Energiebegriff zunehmend
eingeschraenkt und liess die Bedeutung des menschlichen wie tierischen
Muskels als energetischer Grundlage nach. Neben holzver- und gebrauchenden
Gewerken verwies Sieglerschmidt v.a. auf das Holz als thermische Grundlage
und die Existenz von ueber 50 Berufen, von denen ueber 20 erheblich vom
Holz abhingen. Daneben wurde die regionale Differenzierung hervorgehoben,
die mit Blick auf die unterschiedlichen Waldnutzungen staedtischer und
doerflicher Siedlungen keine generelle Beurteilung moeglich macht. Im
Gegensatz zum waldreichen Sueden sicherten die norddeutschen Staedte ihre
Bau- und Brennholzversorgung durch Holzimporte aus Skandinavien und
Russland. Rund zwei Drittel der Kosten musste eine Kommune fuer die
Holzbeschaffung aufwenden.
Ein zweiter Teil beleuchtete die Situation im Bodenseeraum, wobei auf
laengere Rechnungsserien zur Organisation von Holzversorgung und -abgabe
in Konstanz/Radolfszell eingegangen wurde. Besondere Bedeutung erlangte
das Holz in Konstanz als Mittel der Landesverteidigung (Pallisadenbau).
Erhaltene Zoll-Listen geben hier Aufschluesse ueber die Verschiffung des
Holzes im Konstanzer Einzugsbereich (Montfort'sches Gebiet um Tettnang).
Anhaltspunkte ueber die Abgabe von Deputathoelzern (Brenn- und Bauholz)
zum verminderten Preis vermitteln sogenannte Holzentnahmeordnungen. Im
untersuchten Gebiet existierten keine nennenswerten Grossgewerbe, so dass
die Waldflaechen neben der Sicherung des Eigenbedarfs offenbar auch fuer
Holzverkaeufe genutzt wurden. Mit Blick auf den Hegau hat der Holzbedarf
unter dem gelegen, was man haette entnehmen koennen. Der Getreideanbau war
der einzige Konkurrent des Waldes.
Martin Knoll, M.A. (Regensburg) skizzierte mit seinem Referat "Regensburg,
der Reichstag, der Kurfuerst und das Holz im spaeten 18. Jahrhundert" den
Typus der freien Reichsstadt und zugleich ein Territorium, das in seiner
isolierten Lage und dem kleinen waldlosen Burgfrieden von der Wirtschafts-
und Zollpolitik Bayerns abhaengig blieb. Die Ressource Holz bildete ein
Importgut, das v.a. aus der Region Kelheim und dem Bayerischen Wald
herbeigeschafft wurde. Bayern kontrollierte die "Donauschiene" und damit
die reichsstaedtische Holzversorgung Regensburgs. 20.000 Einwohner,
darunter kaum produzierendes Gewerbe, waren der Be- und Verhinderung der
Holzversorgung durch Bayern unterworfen. Handwerker, wie etwa Kuefer,
wurden an das Holzinspektionsamt Lechhausen (bei Augsburg) verwiesen. Die
Mautordnung von 1765 brachte eine geregelte Einfuhr, fuehrte jedoch
zugleich zu einer Buerokratisierung und, ab 1767, zu einer systematischen
Mengenerfassung und -reduzierung. Statt des innerhalb der Stadt gelegenen
Holzgartens trat mit der Errichtung des auf kurbayerischem Territorium
gelegenen Rainhausener Holzhofes eine weitere Verschlechterung der
kommunalen Holzversorgung ein. Hierzu gehoerten: 3.000 Schritte Umweg, der
Achstransport des Holzes ueber die Donaubruecke und die Reduktion von 40
auf 15 zugelassene Schiffer, die den Holzhof ansteuern durften.
Bemerkenswert ist, dass Bayern auch Reichstagsgesandtschaften in der
Holzversorgung blockierte, die von den Gesandtschaften errechneten
Bedarfsmengen reduzierte, die Preise des Holzes diktierte und damit wohl
versuchte, den Reichstag aus Regensburg hinaus zu draengen.
Ueber die "Staedtische Verfassung und Holzversorgung in Nuernberg um 1800"
referierte Dr. Nils Freytag (Muenchen). Neben einer "verknoecherten"
Verfassungs- und Gesellschaftsstruktur der freien Reichsstadt fiel schon
zahlreichen Zeitgenossen der schlechte Zustand der Nuernberger
Reichswaelder auf. Der stadtnahe Versorgungswald wie die zentrale
Ressource Holz gerieten zum Brennpunkt eines Machtkonfliktes in den
reichsstaedtischen Gemeinwesen Die Auseinandersetzungen zwischen
alteingesessenen stadtadeligen Familien und aufstrebendem
Wirtschaftsbuergertum fanden statt auf den Ebenen von Waldgutachten,
Forstverwaltung und in Oeffentlichkeit. Die reformorientierten Kraefte
etwa vernahmen Forstpersonal und Bauern ueber den Waldzustand und
verschafften sich einen eigenen Ueberblick. Langfristiges Ziel bildete die
Steigerung der Ertragskraft des Waldes, wozu Holz gespart und
Verschwendungen vorgebeugt werden musste. Die Magistratsmitglieder wiesen
dagegen auf das schaedliche Handeln von Holzberechtigten und die
Nebennutzungen hin; sie lehnten jede Verantwortung fuer den schlechten
Waldzustand ab. Daneben rangen alle Beteiligten hartnaeckig um die
Kontrolle der staedtischen Forstverwaltung. Den oeffentlichen Streit um
das Holz und den Wald dokumentieren Flugschriften und Pasquillen. Die
nahegelegenen Versorgungswaelder und das dichte staedtische
Kommunikationsnetz bildeten eine entscheidende Grundlage dieser
herausragenden Breitenwirkung des Streites um das Holz.
Der Blick auf den Wald, der mitten ins Geschehen fuehrt, bietet neue
Erkenntnisse ueber die Reichweite reformerischen Handelns einer
Reichsstadt am Ende des Heiligen Roemischen Reiches. Neben dem heiss
umstrittenen Gegenstand der politischen Partizipation geriet der Umbruch
in der staedtischen Holzversorgung zum Brennpunkt oeffentlicher
Auseinandersetzungen und zum Fokus von Verfassungskonflikten im
Interessengeflecht von staedtischen Institutionen und staatlichen
Akteuren.
Aus umweltgeschichtlicher Perspektive faellt die Waldentwicklungsbilanz
des Nuernberger Verfassungsstreites keinesfalls nur negativ aus, lassen
sich hier doch erste Ansaetze einer obrigkeitlich gelenkten und gewollten
Auf- und Umforstung nach modernen forstwissenschaftlichen Prinzipien
ausmachen. Daraus resultierende soziale und gewerbliche Folgekosten sollte
ein staedtisches Holzmagazin auffangen.
Ueber "Holznutzung in der Hofer Region im 18. und 19. Jahrhundert" sprach
Dr. Arnd Kluge (Hof). Die Region, die vom 14. bis 18. Jahrhundert zum
Gebiet der Burggrafen von Nuernberg gehoerte, wurde 1810 bayerisch.
Aufgrund schlechter ackerbaulicher Voraussetzungen herrschte der Waldbau
vor. Das Tagebuch des Hofer Apothekers Wallburger aus der zweiten Haelfte
des 17. Jahrhunderts liefert erste Hinweise auf den oertlichen Holzhandel,
wie den Verkauf von Holzkohle (aus rund 60 km Entfernung), Floessholz (aus
Rehau und Schoenwald) und Holz aus Bauernwaeldern. Gehandelt wurde Bau-
und Brennholz. Der Hausbau der Region bestand bis Ende des 18.
Jahrhunderts grossenteils aus Blockbauten. Erst 1810 wurde
staatlicherseits die Steinbauweise geregelt. Groesster Holzkonsument war
der Bergbau. Waehrend Steinkohlen exportiert wurden, erschloss man die
reichen Torflagerstaetten und die Braunkohle erst nach 1800.
Gerechthoelzer bildeten die Abgaben des Lehns-/Landesherrn an die
Bevoelkerung, wobei die Abgabe gegen einen Zins oder als Gnadenholz
erfolgte. Die sogenannten "Truepfhaeusler", deren Grundstueck mit dem
Dachgiebel endete, verkauften haeufig ihr Holzrecht und versorgten sich
statt dessen mit Astholz und Reisig. Die Holz-Fernversorgung der Hofer
Region erfolgte durch die Trift und ein System oertlicher
Versorgungsgebiete (Frankenwald bis 20. Jahrhundert; Fichtelgebirge bis
18. Jahrhundert) Holzersatzstoffe wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts
nicht verwendet. Erst der Eisenbahnbau ab 1851 und damit verbundene
Steinkohlenimporte und die 1865 erfolgte Erschliessung der tschechischen
Braunkohle ermoeglichten, so Kluge, die industrielle Entwicklung des
Raumes.
Prof. Dr. Winfried Schenk (Tuebingen) analysierte die "Versorgung der
Stadt Wuerzburg im 18. und 19. Jahrhundert mit Brennholz". Schenk stellte
fest, dass die geistliche Residenzstadt nicht aus den stadtnahen, vom
Fuerstbischof kontrollierten Waeldern, sondern aus sogenannten
"fremdherrischen" Waeldern (z.B. aus hessischen, hanauischen,
thueringischen und fuldischen Waeldern) ihr Holz bezog. Dieser Umstand
bildete ein Charakteristikum der Stadt Wuerzburg, die ueber kein eigenes
Holz verfuegte. 1733 war das Wuerzburger Oberforstamt reorganisiert, eine
Regulierung der Entnahme vorgenommen worden. Die Brennholzabgabe erfolgte
nun nur noch klafterweise, statt vordem als Morgenholz. Man wollte damit
eine bewusste Brennholzentnahme erreichen, den die hochstiftischen
stadtnahen Waelder waren Anfang des 18. Jahrhunderts v.a. infolge des
Festungsbaues ausgepluendert. Ende des 18. Jahrhunderts kamen 85 bis 90
Prozent des Holzes von ausserhalb. In der Holzversorgung Wuerzburgs sind
zwei Phasen zu unterscheiden:
1) merkantilistische Phase der Holzversorgung bis 1830
2) Ende der 'Feudalzeit' im Wald (ab 1830 Privatisierung des Holzhandels)
In der ersten Phase erfolgte der Holzerwerb durch die Stadt Wuerzburg,
waehrend Holzeinschlag und Transport in privater Hand lagen. Bemerkenswert
war der Umstand, dass das Holz ab Gemuenden mainaufwaerts getreidelt
wurde. In Wuerzburg nahmen es Unterhaendler, die sogenannten "Kaerner", in
Empfang, um es zum Holzgarten zu karren. In der zweiten Phase erfolgte der
Verkauf des Holzes dann erst in Wuerzburg selbst, waehrend alte Kartelle
(aus bayerischem Staat und regionalen bzw. lokalen Holzhaendlern)
weiterbestanden. Bis 1830 hatten die bestehenden Holzmagazine eine
Pufferfunktion, stellten jedoch keine Problemloesung der Wuerzburger
Holzversorgung dar. Erst durch Kohle und Eisenbahn, so Schenk weiter, hat
sich die Versorgungssicherheit Wuerzburgs verbessert.
Dr. Elisabeth Johann (St. Margareten) untersuchte "Die Holzversorgung
Klagenfurts im Uebergang vom 18. zum 19. Jahrhundert." Die Stadt selbst
verfuegte seit 1518 ueber eine einmalige Stellung, wurde sie doch von
Herzog Albrecht II. den Landstaenden geschenkt; sie stellt daher den
seltenen Typus einer staendischen Stadt dar. Die Landstaende
verpflichteten sich dafuer, den Festungsausbau zu forcieren, errichtete
einen Laendkanal und erliessen Verordnungen, die den Steinbau innerhalb
der Stadt beschleunigen sollten. Zu den Besonderheiten Klagenfurts noch im
18. Jahrhundert gehoerten der landschaftseigene Wald zur Versorgung der
Aemter. Demgegenueber mussten sich Adel und grundbesitzende Buerger selbst
versorgen, waehrend das Militaer eine eigene Versorgung unterhielt. Die
Holzversorgung der Stadt erfolgte ueber den Woerthersee und den
Laendkanal. Die Seeschiffahrt bildete ein, teils verpachtetes, Monopol der
Landstaende. Ab 1735 konnten waldbesitzende Bauern, die vordem ihr Holz an
die Landstaende verkauft hatten, auf diesem Weg eigenes Holz zum Verkauf
in die Stadt bringen. Mit der Aufhebung der Zunftgebundenheit des
Holzhandels Ende des 18. Jahrhunderts nahm die Konkurrenz zwischen den
Schiffen der Landschaft und denen der Bauern zu. Handelshaeuser sollten im
Auftrag der Landstaende Holz nach Klagenfurt transportieren. 1792 bis 1796
errichteten die Landstaende innerhalb der Stadt ein Holzmagazin, das die
Holzbeschaffung durch die Buerger ermoeglichte. Gleichzeitig wurde der
Holzhandel in einem genau definierten Umkreis um die Stadt verboten. Der
Magazinplatz bildete nun den zentralen Verkaufsplatz des Klagenfurter
Holzes, fuehrte zu einer Steigerung des Angebots und festen Preisen.
Verluste, die beim Hacken (statt Saegen) des Holzes entstanden, der Ankauf
nassen und der Abgabe trockenen Holzes, die Ueberschaetzung des Marktes
und die Faszination der Staende fuer 'Grossprojekte' bei fehlenden
finanziellen Moeglichkeiten, bewirkten letztlich das eklatante
wirtschaftliche Scheitern des Klagenfurter Holzgartens.
Dr. Wolfgang Piereth (Muenchen) analysierte die "Staatliche Forstpolitik
und staedtische Holzversorgung im vormaerzlichen Bayern" und betonte dabei
die besonders angespannte Situation im bayerischen Nordwesten. Ueberall in
Bayern stieg der Holzpreis in den 1830er Jahren signifikant, was zu einer
angespannten Situation besonders der "unbemittelten Klasse" fuehrte. Vor
dem Hintergrund der franzoesischen Julirevolution von 1830 versetzten den
Hof die Meldungen ueber Holzteuerung in "hektische Betriebsamkeit", zumal
sich groessere Teile der Waelder in staatlichem Besitz befanden und das
Problem der Holzversorgung als "originaer staatliche Aufgabe" wahrgenommen
wurde. Eine Kommission aus Ministerialbeamten und Fachleuten und einem
speziell zur Bekaempfung der Holzteuerung eingesetzten Beauftragten
sollten Abhilfe schaffen. Die Frage nach dem Grund des starken
Holzpreisanstiegs in den 1830er Jahren fasste Piereth in vier Punkten
zusammen:
1) enormer Bevoelkerungsanstieg (besonders in den Staedten) durch
Geburtenueberschuss und Zuwanderung;
2) gewerblich-industrieller Aufschwung parallel zum Bevoelkerungsanstieg;
3) Bayerns Beitritt zum Zollverein;
4) neue Formen des Holzhandels durch "freie Holzverkaeufe" von
Waldbesitzern, wie Staat, Gemeinden, Stiftungen und Privatleuten.
Insbesondere der Beitritt zum Zollverein fuehrte zum Holztransport ausser
Landes und letztlich zum Preisanstieg in Bayern. So etwa wurden
Holzmaerkte in Unterfranken zeitweilig kaum oder gar nicht befahren. Die
staedtischen Klagen ueber die schlechtere Holzversorgung waren jedoch Teil
einer viel umfassenderen Kritik der Staendevertreter an den Folgen der von
Seiten des Staates eingeleiteten Deregulierung und Liberalisierung.
Verzichtsparen, eine rationellere Art der Verwendung des Holzes (z.B. bei
Sparoefen) und die Verwendung von Holzsurrogaten (Kohle/Torf) bildeten die
Strategien der Krisenbewaeltigung. Hierzu wurden Preisausschreiben
ausgelobt und neue Erkenntnisse in den landwirtschaftlichen und
polytechnischen Vereinen verbreitet. Strittig war hingegen die Forderung
der Staedte nach fixen Preisen, um den Holzversteigerungen und
Preistreibereien entgegenzuwirken. Hier gab es Konflikte zwischen dem um
'Ruhe und Ordnung' besorgten Innenministerium und dem fuer die
Forstverwaltung zustaendigen Finanzministerium, aber auch generell
zwischen Staat und Staenden, schliesslich ging es darum, wer in Zukunft
die 'richtige' Forstpolitik zu bestimmen hatte.
Am Ende regte Piereth an, das bislang vernachlaessigte Verhaeltnis von
Stadt und Staat im Deutschland des 19. Jahrhunderts ueber einen laengeren
Zeitraum und in seiner Wechselwirkung am Beispiel der staedtischen
Holzversorgung im Vormaerz naeher zu beleuchten. Fassbar werden so
umweltgeschichtliche Aspekte (Forstpolitik), politikgeschichtliche Themen
(Durchsetzbarkeit staatlicher Normen vor Ort), mentalitaetsgeschichtliche
Gesichtspunkte (Holzsubstitution), wirtschaftsgeschichtliche Probleme
(Marktordnung; Deregulierung) und sozialgeschichtliche Perspektiven
(Wohlfahrtskompetenz).
Ein Tagungsband zum Thema ist in Vorbereitung. Voraussichtlich erscheint
er 2002 als Beiheft der Zeitschrift fuer Bayerische Landesgeschichte.
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