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Neuerscheinung: Clasen, Augsburger Getreidemuehlen
Date sent: Mon, 23 Oct 2000 14:31:21 +0200
From: Schwaebische Forschungsstelle Augsburg <sfa@lrz.badw-muenchen.de>
Organization: Schwaebische Forschungsstelle Augsburg
To: redaktion@geschichte-bayerns.de
Subject: Neuerscheinung: Clasen, Augsburger Getreidemuehlen
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Mitteilung der Schwaebischen Forschungsstelle Augsburg der Kommission fuer
bayerische Landesgeschichte
Augsburg, 23.10.2000
(Doris Pfister)
NEUERSCHEINUNG
Claus-Peter Clasen: Die Augsburger Getreidemuehlen 1500-1800
(Veroeffentlichungen der Schwaebischen Forschungsgemeinschaft Reihe 1,
Band 27)
XIV + 543 S., 8 Abb., brosch. DM 48,-
Verlag der Schwaebischen Forschungsgemeinschaft: Augsburg 2000 - ISBN
3-922518-27-3 (Die Auslieferung an den Buchhandel erfolgt ueber den Anton
H. Konrad Verlag, Weissenhorn)
Augsburg hatte in der fruehen Neuzeit nicht weniger als elf bis vierzehn
Muehlen, von denen die meisten im Lechviertel, drei ausserhalb der
Stadtmauern lagen. Bis zu Beginn des 19.Jahrhunderts wurde hier Tag und
Nacht gemahlen. Im 16.Jahrhundert waren in den Muehlen insgesamt 54
Gaenge in Betrieb, im 18.Jahrhundert 42 Gaenge. Eigentuemer der Muehlen
waren die Stadt, das Hochstift, andere geistliche Institutionen und
gelegentlich einzelne Buerger. Mit Hilfe der Steuerlisten und der
Meisterbuecher lassen sich die Mueller, ihre Herkunft und ihre
Vermoegensentwicklung feststellen. Der Besitz von Kapital, technisches
Geschick und kaufmaennische Faehigkeiten waren eine Voraussetzung fuer den
erfolgreichen Betrieb einer Muehle. Die Getreidemueller bildeten ein
eigenes Gewerbe mit Ordnungen, Amtstraegern , eigener Verwaltung und
Vorschriften fuer Lehrjungen und Muehlknechte. Ueber die Jahrhunderte
hinweg lassen sich Zahl und Herkunft der vielen Muehlknechte, ihre
Rangordnung vom Zumueller bis zum Tennenknecht, ihre Aufgaben und
Lebensweise verfolgen. Nur den wenigsten gelang der Aufstieg zur
Meisterschaft, wobei als Meisterstuecke Arbeiten am Muehlwerk und
Muehlstein vorgesehen waren.
Die Muehlen lagen an verschiedenen Kanaelen, dem Vorderen, dem Mittleren
und dem Hinteren Lech und dem Schwallech. Ausserhalb der Stadt am
Schaefflerbach und dem Senkelbach. Von besonderer Bedeutung war der
Vordere Lech, der sein Wasser ueber den Lochbach aus dem Lech erhielt.
Verlagerungen im Strombett des Lechs, Zerstoerungen durch
Ueberschwemmungen und das Versiegen von Quellen und Baechen haben das
Augsburger Bauamt immer wieder vor Schwierigkeiten gestellt. Erschwert
wurde alles noch durch Unstimmigkeiten mit den bayerischen Behoerden, die
auf den Rechten Bayerns bestanden. Die Wasserbauten, die das Wasser auf
die unterschlaechtigen Wasserraeder leiteten, waren komplizierte Anlagen
mit Wehrbaeumen, zahlreichen Gassen, Rechen, Fallen, Einschluffen und
Kroepfen, fuer die genaue Masse vorgeschrieben waren. Die Protokolle des
Augsburger Bauamtes zeigen die Probleme, die sich durch Veraenderungen in
der Breite und Tiefe der Kanaele, durch Um bauten, Wassermangel, Eisgang
und Ueberschwemmungen fuer die Muehlen wie auch die umliegende
Nachbarschaft ergaben. Die Anlage des Muehlgebaeudes und die Verteilung
der Raeume sind vor allem aus der Spitalmuehle bekannt. In den
Muellerakten finden sich dagegen nur wenige Angaben ueber das Getriebe des
Muehlwerks. Die Inventare einzelner Muehlen, wie der Schwalmuehle und der
Spitalmuehle, deuten darauf hin, dass in Augsburg die sogenannte
Hochmuellerei ueblich war, im Gegensatz zur Flachmuellerei. Eine besondere
Rolle spielte der Kauf der riesigen Muehlsteine. Es scheint nicht, dass
die Augsburger Mueller besonders experimentierfreudig waren. Der vom Rate
gefoerderte Versuch eines Kupferstechers, die Wasserkraft durch eine
”Maschine” zu ersetzen, scheiterte.
In Augsburg wurde vor allem Dinkel und Roggen, aber auch
Gerste, Weizen und Hafer gemahlen. Mehl verschiedener Feinheitsgrade
sowie Kleie unterschiedlicher Art und Staub wurden gewonnen. Kunden waren
vor allem Baecker, aber auch Hucker, Mehlhaendler und einzelne Buerger.
Die Loehne der Mueller waren eine Wissenschaft fuer sich, da sie je nach
Kunden und Getreidesorten schwankten und sowohl in Geldzahlungen wie
Naturalien bestanden. Eine wichtige Rolle spielten die Muehlvisitatoren,
ueber deren Taetigkeit und Zusammenstoesse mit den Muellern wir aus den
Protokollen des Getreideaufschlagamtes erfahren. Um Betrug in den Muehlen
zu verhindern, bemuehte man sich zu ermitteln, wie viel Mehl und Kleie
aus einer bestimmten Menge Getreide gemahlen werden konnte. Die
tatsaechliche Hoehe der Produktion und die Verteilung auf die einzelnen
Getreidesorten lassen sich fuer die Zeit 1479 bis 1569 feststellen. Aus
dem 18. Jahrhundert lassen sich Zahlen ueber die Produktion nur fuer die
dem Heilig Geist Spital gehoerende Spitalmuehle ermitteln. Dank des
Hospitalarchivs sind wir ueberhaupt ueber den Betrieb der Spitalmuehle
ausserordentlich gut informiert. Da die Bierbrauer und Branntweiner ihr
Malz in den Muehlen brechen liessen, werden auch die Probleme beim
Malzbrechen und Streitereien der Mueller mit den Bierbrauern behandelt.
Im Anhang werden Angaben ueber die einzelnen Muehlen aufgefuehrt,
wie Lage, Eigentuemer, Mueller, Abgaben oder Masse der Wasserbauten.
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